Bundesgesundheitsministerium

Krankenkassen erzielen Rekordüberschuss – kaum Beitragsentlastung

Die gesetzlichen Krankenkassen konnten im vergangenen Jahr ihre Einnahmen steigern und gleichzeitig ihre Ausgaben senken. So konnten die Kassen eine Rekordreserve aufbauen. Bisher geben sie aber mögliche Entlastungen an ihr Beitragszahler nicht in vollen Umfang weiter.

Krankenkassenkarte© Marco2811 / Fotolia.com

Berlin - Trotz einer Rekordreserve von 19,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sind die gesetzlichen Krankenkassen teils zögerlich mit Entlastungen der Beitragszahler. Das Potenzial für Beitragssatzsenkungen sei bislang nicht ausgeschöpft worden, merkte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag in Berlin an.

Krankenkassen sitzen auf einem Poster von 28 Milliarden Euro

Die gesetzlichen Kassen erzielten im vergangenen Jahr einen Überschuss von 3,15 Milliarden Euro. Der Gesundheitsfonds, die Geldsammel- und -verteilstelle der Krankenversicherung, habe liquide Mittel von 9,1 Milliarden Euro. Unterm Strich verfügt die gesetzliche Krankenversicherung somit über ein Geldpolster von mehr als 28 Milliarden Euro.

Beiträge sollen wieder zwischen Arbeitnehmern und -gebern abgeglichen werden

Der Zusatzbeitrag, den die Kassen selbst festlegen und der derzeit noch allein zu Lasten der Kassenmitglieder geht, lag zum 1. Januar im Schnitt bei 1,08 Prozent, so das Ministerium. Das Ressort des scheidenden Ministers Hermann Gröhe (CDU) verwies darauf, dass es den rechnerischen Zusatzbeitragssatz im Schnitt für das Jahr 2018 von 1,1 auf 1,0 Prozent abgesenkt hatte, weil dies zur Deckung der Ausgaben ausreiche.

"Nur ein Teil der Krankenkassen hat die vorhandenen Möglichkeiten zur Senkung ihres Zusatzbeitragssatzes genutzt", so das Ministerium. Künftig sollen sämtliche Beiträge wieder zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und -gebern gezahlt werden.

Fürsprecher und Gegner

Der Spitzenverband der Kassen verteidigte die Zurückhaltung. "Eine kleine Konjunkturdelle oder eine große Grippewelle können die Einnahmen- beziehungsweise Ausgabensituation der gesetzlichen Krankenversicherung so sehr ändern, dass es vernünftig ist, den gesetzlichen Spielraum für Rücklagen auch zu nutzen", sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte den Gesetzgeber auf, angespartes Geld für die Versorgung frei zu machen. Die Kassen hätten "unglaubliche Überschüsse" - bei den Krankenhäusern fehle das Geld, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß.

Ausgaben für Ärzte sind gestiegen

Auch die Praxisärzte verlangten indirekt mehr Geld. So seien mehr Leistungen, wie sie Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vorsähen, mit den geltenden Budgets nicht vereinbar, heißt es in einer neuen Resolution der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Besonders kritisierte die KBV den Plan von Union und SPD, das Mindestsprechstundenangebot für gesetzlich Versicherte von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen. Schon heute betrage die Arbeitszeit der Ärzte und Psychotherapeuten im Schnitt 52 Stunden pro Woche, so die KBV. Lanz wies die KBV-Bedenken als nicht nachvollziehbar zurück.

Die Ausgaben für Ärzte stiegen 2017 um 1,9 auf 42,6 Milliarden, für Krankenhäuser um 1,9 auf 75,6 Milliarden und für Arzneimittel um 1,4 auf 39,9 Milliarden Euro.

Einnahmen der Krankenkassen gestiegen – Ausgaben gingen zurück

Gröhe sagte: "Alles spricht dafür, dass die gesetzliche Krankenversicherung auch im Jahr 2018 schwarze Zahlen schreibt." Sie sei damit gut gerüstet für die weitere Verbesserung der Gesundheitsversorgung und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

2017 standen Einnahmen von rund 233,7 Milliarden Euro Ausgaben von 230,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 4,3 Prozent und die Ausgaben insgesamt um 3,5 Prozent gestiegen.

Den höchsten Überschuss erzielten Ortskrankenkassen (AOK) mit 1,45 Milliarden Euro. Die Ersatzkassen wie Techniker (TK), Barmer und DAK-Gesundheit kamen demnach auf ein Plus von 1,2 Milliarden, die Betriebskrankenkassen auf 295 Millionen, die Knappschaft auf 102 Millionen und die Innungskassen auf 174 Millionen Euro.

Quelle: DPA

Weitere News zu diesem Thema
Ratgeber

Welche Versicherungen für wen?

Mann

Welche Versicherungen für wen sinnvoll sind und auf welche Policen man getrost verzichten kann, lesen Sie in auf den folgenden Seiten.

Ein Muss für jeden

Braucht jeder: Die private Haftpflicht- Versicherung

Haftpflichtversicherung

Auch ein leichtes Versehen kann teure Folgeschäden verursachen, für die man als Privatperson haftbar ist - die Privathaftpflicht ist deshalb ein Muss für jeden.

Private Haftpflichtversicherung
Extra

Zusatzleistungen zur gesetzlichen Krankenversicherung

Frau

Einzelzimmer im Krankenhaus, Chefarzt-Behandlung oder Zuschuss zu Zahnersatz und Sehhilfe - das bietet eine Krankenzusatzversicherung. Jetzt Angebot anfordern!

Krankenzusatzversicherung