Steigende Prämien, sinkende Renditen

KFZ-Versicherung und Lebensversicherung unter Druck

Die deutschen Versicherungen haben die Finanzkrise wie ein Fels in der Brandung überstanden. Die Beitragseinnahmen sind dieses Jahr um fünf Prozent auf 180 Milliarden Euro gestiegen. Aber an zwei wichtigen Stellen bröselt es: Die Kfz-Versicherung ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht und die klassische Lebensversicherung gerät durch niedrige Zinsen noch mehr unter Druck.

03.01.2011, 10:02 Uhr
Versicherungsschutz© DOC RABE Media / Fotolia.com

München (dapd/red) - Bei den Kfz-Versicherungen gab es 2010 schon nicht mehr ganz so tiefe Kampfpreise wie im Vorjahr, einzelne Kfz-Versicherer haben die Preise schon erhöht. Allianz-Chef Michael Diekmann sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", er wolle "nicht jeden Preiskampf mitmachen". Auch die HUK-Coburg sagt ab Januar steigende Durchschnittsprämien voraus und verweist auf die 2010 stark gestiegenen Schäden. Allerdings wolle sie selbst die Preisschlacht auf dem jetzigen Niveau noch fortsetzen, kündigte die Versicherung an, die die Allianz gerade als Nummer eins überholt. Der Markt ist allerdings unübersichtlich - über 70 Anbieter kämpfen um Kunden, und "alle versprechen Rabatte", sagt Friedheim. Wer der günstigste ist, "hängt immer vom Einzelfall ab".

Für die Autofahrer ist der Verdrängungswettbewerb der Versicherer ein Glücksfall. Inflationsbereinigt hätten sich die Haftpflicht- und Vollkasko-Prämien seit Mitte der 90er Jahre fast halbiert, klagte der Versicherungsverband GDV. Inzwischen stehen im Branchendurchschnitt 100 Euro Prämie 105 Euro an Schäden und Kosten gegenüber. Der Billiganbieter Ineas musste bereits Insolvenz anmelden. Jetzt scheine in der Branche ein Umdenken einzusetzen, sagte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen beim Verbandstag.

Lebensversicherungen: Wachstum mit Sparkonten

Zweites Sorgenkind ist die Lebensversicherung. Jeder zweite Euro, den die Deutschen für Versicherungen ausgeben, fließt ihr zu - die Beitragseinnahmen stiegen dieses Jahr sogar von 85 auf 91 Milliarden Euro. Aber der Schein trügt. Denn der Verkauf von Kapital-Lebensversicherungen mit laufenden, monatlichen Prämien ist eingebrochen. Um 30 Prozent gewachsen ist dagegen das Geschäft mit Einmalbeiträgen - 27 Milliarden Euro oder fast ein Drittel der Prämien sind heute Einmalbeiträge für gut verzinste, jederzeit kündbare Versicherungen. "Viele Bürger parken ihr Geld da erst mal", erklärt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV). Die Lebensversicherung zahle gut 2,5 Prozent Zins - "deutlich mehr als Tagesgeldkonto, aber genauso flexibel und ohne Risiko".

Die klassische Lebensversicherung dagegen ist in der Defensive, seit 2005 die Steuerprivilegien für Neuverträge gestrichen wurden. Außerdem sinkt die Überschussbeteiligung. Mit Aktien hatten die Versicherer früher 7 Prozent erwirtschaftet, aber nach 2001 hatten sich viele eine blutige Nase an der Börse geholt und radikal umgeschichtet. Heute halten die deutschen Lebensversicherer im Durchschnitt nur noch je 3 Prozent der Kapitalanlagen in Aktien und Immobilien - 88 Prozent sind vermeintlich sicher in Staatspapieren, Pfandbriefen, Bankdarlehen und Rentenfonds angelegt. Jetzt bringen die niedrigen Zinsen die Lebensversicherer zunehmend ins Schwitzen.

Überschussbeteiligung : "Tendenz geht nach unten"

Marktführer Allianz gab die Richtung vor und senkte die Überschussbeteiligung für 2011 auf 4,1 Prozent. Die meisten anderen folgten - einige liegen ein halbes Prozent darüber oder darunter, aber "die Tendenz geht nach unten", sagte Rudnik.

Dabei sollten sich die Kunden nicht von der Zahl täuschen lassen: Mit 4,1 Prozent werde lediglich der Sparanteil der Lebensversicherung verzinst. Bei einer guten Versicherung gehen 90 Prozent der Prämie in den Sparanteil, bei einer schlechten nur 65 Prozent - mit dem Rest finanziert die Versicherung ihre eigenen Kosten und die Auszahlungen im Todesfall. "Besser 4,0 Prozent bei einem großen Sparanteil als 4,2 Prozent bei einem kleinen", erklärt Rudnik. Wichtig sei deshalb auch die garantierte Ablaufleistung und die Finanzkraft des Versicherers, sein Rating.

Aber nicht nur der Zins, sondern auch neue Vorschriften aus Brüssel bereiten den Lebensversicherern zunehmend Bauchschmerzen. Nach dem EU-Plan Solvency II müssen sie für langfristige Zinsgarantien künftig mehr eigenes Geld hinterlegen. Das hätte zur Folge, dass solche Zinsgarantien für die Kunden ab 2013 viel teurer werden. "Die Sorge ist sicher berechtigt", sagt Rudnik. Allerdings versuchten die Assekuranzen seit Jahren schon, mit fondsgebundenen Versicherungen das Kapitalmarktrisiko auf die Kunden abzuwälzen. Sein Rat: Geldanlage und Versicherung trennen.

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