Verrechnet

Ergo korrigiert Hunderttausende Bescheide

Der Versicherer Ergo hat sich bei Hunderttausenden Lebensversicherungen verrechnet. Kunden wurde zu viel Geld ausgezahlt oder zu wenig. Schuld sind wohl veraltete Computerprogramme. Bereits seit 2012 läuft die Aufarbeitung.

Vorsorge© Marco2811 / Fotolia.com

Düsseldorf (dpa/red) - Mal gab es zu viel Geld, mal zu wenig: Der Versicherer Ergo hat bei Hunderttausenden Lebensversicherungs-Kunden Erträge und Gutschriften falsch berechnet. Schuld sind fehlerhafte Computerprogramme. Bisher habe das Unternehmen in 350.000 Fällen Bescheide korrigiert, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass es vergleichbare Probleme auch bei anderen Versicherungen gibt. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über das Thema berichtet.

Wie viele Kunden insgesamt betroffen sind, konnte Ergo am Donnerstag noch nicht mitteilen. Die Aufarbeitung dauere noch an, hieß es. Die Zahl der insgesamt bei dem Versicherer abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge liegt bei rund sieben Millionen. Darunter sind auch zahlreiche Policen, die noch von der Hamburg-Mannheimer und der Victoria Versicherung abgeschlossen wurden.

Cent-Beträge bis fünfstellige Summen

Bei den meisten bisher abgearbeiteten Fällen gehe es um "Cent-Beträge bis dreistellige Summen", sagte die Ergo-Sprecherin. Doch gebe es auch "einige wenige Fälle", in denen es sich um fünfstellige Summen handele. Dabei verrechnete sich die Versicherung nach eigenen Angaben nicht nur zuungunsten ihrer Kunden. In vielen Fällen habe sie auch zu viel ausgezahlt oder überhöhte Summen gutgeschrieben.

Acht Millionen zu viel ausgezahlt

Ein Beispiel: Ein Fehler bei der Berechnung von Riester-Verträgen betraf in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 203.000 Versicherungskunden. Dabei habe Ergo einerseits zwei Millionen Euro zu wenig ausgezahlt, andererseits aber auch acht Millionen Euro zu viel, sagte die Sprecherin. Inzwischen habe die Versicherung den geschädigten Kunden die fehlenden zwei Millionen Euro gutgeschrieben. "Die acht Millionen Euro haben wir nicht zurückgefordert", fügte sie hinzu.

Fehlerkorrektur begann 2012

Ursache des Problems sind nach Ergo-Angaben Fehler in den teilweise Jahrzehnte alten Computerprogrammen, mit denen die Erträge berechnet wurden. "Wir arbeiten daran, dass nach Abschluss der Korrekturen alle Kunden so gestellt sind, wie es mit ihnen vertraglich vereinbart wurde", sagte die Sprecherin. Noch seien aber nicht alle bekannten Fehler vollständig geprüft. Nach eigenen Angaben begann das Unternehmen bereits 2012 mit der Fehlerkorrektur.

Andere Versicherer könnten ähnliche Probleme haben

Der Bund der Versicherten (BdV) geht davon aus, dass auch andere Versicherer mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Es handele sich um ein über Jahrzehnte gewachsenes strukturelles IT-Problem, das wahrscheinlich viele Anbieter betreffe, sagte der BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betonte dagegen, er habe "keine Kenntnis von systembedingten Berechnungsproblemen bei Lebensversicherern". Die Berechnungsprozesse der Unternehmen würden regelmäßig streng kontrolliert.

Verbraucherschützer Kleinlein forderte angesichts des Debakels einen gesetzlichen Anspruch der Versicherungskunden auf Nachrechenbarkeit und Transparenz bei Lebensversicherungen. Bisher seien die Versicherten "der Willkür der Rechenprogramme" bei den Assekuranzen ausgeliefert.

Erneut negative Schlagzeilen bei der Ergo

Für den Düsseldorfer Versicherer Ergo ist es nicht das erste Mal, dass er Negativschlagzeilen macht. Bereits 2011 hatte eine Sexreise für besonders erfolgreiche Versicherungsvertreter nach Budapest für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Kurz danach hatte das Unternehmen fehlerhafte Konditionen bei zahlreichen Riester-Kunden korrigieren müssen.

Kleinlein sprach sich aber dagegen aus, Ergo nun wegen der Rechenfehler erneut an den Pranger zu stellen. Er finde es eigentlich positiv, dass das Unternehmen das Problem aufarbeite und offensiv auf Kunden zugehe, die ansonsten keine Chance gehabt hätten, den Fehler selbst zu erkennen.

Quelle: DPA

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