"Totes Kapital"

Über 13 Milliarden D-Mark sind noch in Umlauf

Zehn Jahre ist es bereits her, dass der Euro die Deutsche Mark ersetzte. Trotzdem sind noch über 13 Milliarden in Umlauf, Tendenz langsam sinkend. Bei der Deutschen Bundesbank kann man die alte Währung kostenlos umtauschen.

Geldanlage© anmaro / Fotolia.com

Frankfurt/Main (dapd-hes/red) - Mit einer edel aussehenden roten Schatulle steht Hans Kunze in der Schlange am Geldschalter. Fein säuberlich sind die Münzen darin sortiert: lauter Zehn- und Fünf-D-Mark-Stücke. Obenauf liegt ein Zehnmarkschein. Die Sammlung ist ein Erbstück seiner Mutter. Doch behalten will Kunze die Münzen nicht. Vielmehr sollen sie zu Euro werden. In der Frankfurter Filiale der Bundesbank, in die Kunze an diesem Morgen gekommen ist, ist das problemlos möglich.

Jeden Tag von 8.15 bis 13.00 Uhr öffnet der Schalter dort für Wechselwillige. An der guten alten D-Mark, die sich mancher Verbraucher in der Euro-Krise zurückwünscht, hängen die Kunden wie Kunze offenbar nicht. Vielmehr wollen sie die alten Scheine und Münzen knapp zehn Jahre nach der Euro-Bargeld-Einführung loswerden.

Insgesamt 13,3 Milliarden Mark sind nach Angaben der Bundesbank zum Stichtag 31. Oktober 2011 nach wie vor im Umlauf, davon etwas mehr in Münzen als in Scheinen. Ende 2007 waren es noch 14,1 Milliarden Mark. Die Bestände sinken, aber offenbar liegt auch Jahre nach der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung zum 1. Januar 2002 noch reichlich alte Währung in den Haushalten.

Eine Umtauschfrist gibt es nicht

Erbschaften, Haushaltsauflösungen oder Umzüge nennt Jürgen Schühler von der Kassenaufsicht in Frankfurt als Hauptquellen, aus denen noch D-Mark zutage kommt. Das von der Tante geschenkte und nie gelesene Buch, in dem 50 Mark stecken; die Flasche mit Pfennigen für die Brautschuhe, die im Schrank vergessen wurde; der alte, mit Mark betriebene Spielautomat, der im Keller auf Benutzung wartet - schier unendliche Orte für die alte Währung sind denkbar.

Eile ist dabei nicht geboten, denn eine Umtauschfrist gibt es nicht. Eingetauscht werden kann die D-Mark ohne Gebühren in jeder Filiale der Deutschen Bundesbank. Das sind bundesweit rund 50 Umtauschmöglichkeiten zwischen Flensburg und Freiburg, Aachen und Cottbus. In Hessen gibt es drei Filialen: in Kassel, Gießen und eben Frankfurt am Main. Allein in der Bankenstadt lassen sich jeden Tag durchschnittlich 35 Kunden pro Tag D-Mark in Euro umtauschen, wie Schühler erläutert. Die Summen fallen dabei ganz unterschiedlich aus.

Hinter Kunze steht Andrea Weigelt in der Schlange, in der Hand einen roten Beutel. Darin hat sie einige Münzen, die im Spielzimmer der Tochter aufgetaucht sind. Rund 90 Cent bekommt Weigelt, die bei der Bundesbank arbeitet, an der Kasse ausgezahlt. Kein Reichtum, aber trotzdem: "Geld schmeißt man einfach nicht weg", sagt sie.

Wertvolles findet sich nur sehr selten

Genau dieses Schicksal wartet auf die D-Mark allerdings, wenn sie erst einmal den Schalter bei der Bundesbank passiert hat. Dort wird die alte Währung nämlich keineswegs aufbewahrt. Vielmehr werden die alten Scheine geschreddert, die Münzen entwertet und von der VEBEG, dem Verwertungsunternehmen des Bundes, versteigert, wie Schühler erläutert. Das alte Metall ist schließlich weiterverwertbar.

Große Gewinne sind damit aber wohl nicht zu erzielen. Der Materialwert liegt nur in wenigen Fällen über dem Nominalwert, also über dem amtlichen Wechselkurs, wonach 1 Euro genau 1,95583 DM sind. Einen Schatz werden ohnehin die allerwenigsten heben, wenn sie alte Markmünzen und -scheine wiederfinden. Denn einen Sammlerwert haben nur sehr wenige Münzen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas wirklich Wertvolles dabei ist, ist doch sehr gering", sagt Schühler. Die Auflagenzahlen seien einfach zu groß gewesen.

Das gilt auch für Kunzes Sammlung. Er habe sich natürlich erkundigt, sagt der 69-Jährige gelassen. Weder Sammler- noch Materialwert sei zu erwarten. Auch einen ideellen Wert haben die Münzen für ihn nicht, die er vor zehn Jahren von seiner Mutter geerbt hat und nun wegen eines Umzugs loswerden möchte. "Backformen und Geschirr habe ich behalten. Aber das hier", sagt Kunze und deutet auf die mittlerweile leere Schatulle, "ist totes Kapital".

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    Nominalwert

    Jeder weiß, dass eine Zwei-Euro-Münze zwei Euro wert ist. Wie sollte es auch anders sein? Doch wie kommt das bisschen geprägte Metall zu seinem Wert und wer bestimmt diesen? Hierbei spielt der Nominalwert eine große Rolle.

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