Gegenmaßnahme

EZB erhöht den Leitzins aufgrund steigender Inflation

Die EZB erhöht wieder den Leitzins. Begründung dafür ist die relative Stabilität vieler Länder Europas, die Erholung von der Wirtschaftskrise und der anhaltende Preisauftrieb.

08.07.2011, 09:44 Uhr
Finanzen© rkolbabek / iStockphoto.com

Berlin (dapd/red) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die steigende Inflation reagiert und die Leitzinsen erhöht. Der wichtigste Zinssatz, zu dem sich die Banken Geld von der EZB leihen können, wurde am Donnerstag von 1,25 auf 1,50 Prozent erhöht. Es ist bereits die zweite Anhebung in diesem Jahr.

Zinspolitik als Gegenmaßnahme zur Wirtschaftskrise

Wegen der Wirtschaftskrise hatten die Währungshüter die Zinsen im Mai 2009 auf das historische Tief von 1,0 Prozent gesenkt, um einen noch stärkeren Absturz der Konjunktur zu verhindern. Weil die Wirtschaft in den meisten europäischen Ländern wieder Fuß gefasst hat, aber die Inflation im Euroraum auf inzwischen 2,7 Prozent geklettert ist, beendet die EZB jetzt die Politik des billigen Geldes. Nach Definition der Zentralbank herrscht Preisstabilität, wenn die Teuerung knapp unter 2,0 Prozent bleibt.

Schon im April hatte die EZB die Zinswende eingeleitet und den Leitzins von 1,0 auf 1,25 Prozent angehoben. Jetzt folgte der von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bereits angedeutete zweite Zinsschritt auf 1,50 Prozent. Am Nachmittag wollte Trichet die Entscheidung des EZB-Rates erläutern. Beobachter hoffen dann auf Aufschlüsse über die weitere Zinsentwicklung. Viele erwarten einen weiteren Zinsschritt im Herbst.

Bankenverband lobt Entscheidung

Der Bundesverband deutscher Banken lobte die Zinserhöhung. Zu einem realen Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent in diesem Jahr passe kein Leitzins, der fast noch auf Rezessionsniveau liegt, so Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Man habe gesehen, dass eine zu lockere Geldpolitik den Aufbau von Risiken an den Finanzmärkten begünstigt, mahnte er. Zugleich bescheinigte er der EZB "viel Augenmaß". Denn sie müsse nicht nur dem gestiegenen Preisdruck begegnen, sondern auch die Staatsschuldenkrise und die Unsicherheit an den Finanzmärkten berücksichtigen.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage sei die Leitzinserhöhung gerechtfertigt. Die EZB könne ihre Geldpolitik nicht an der konjunkturellen Entwicklung in einzelnen Euro-Staaten ausrichten, sondern müsse den gesamten Euro-Raum im Blick behalten. Auch dank der allmählichen Normalisierung der Geldpolitik werde die Inflation im Euro-Raum im nächsten Jahr wieder nachlassen. Das wären gute Voraussetzungen für weiterhin moderate Kapitalmarktzinsen, und helfe der wirtschaftlichen Entwicklung in den Euro-Ländern auf längere Sicht viel mehr als künstliche Impulse über zu günstige kurzfristige Kredite, erklärte Kemmer.

Inflation soll gedämpft werden

In Deutschland werde die Zinserhöhung den Preisauftrieb dämpfen, ohne die Konjunktur abzuwürgen, sagten Wirtschaftsforscher. Dagegen werde die Erholung in Italien und anderen, weniger in Schwung gekommenen Staaten gebremst, und die hoch verschuldeten Krisenstaaten bekämen noch mehr Probleme, erklärten Oliver Holtemöller vom IfW in Halle und Torsten Schmidt vom RWI in Essen.

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