Bankgebühren

Experte: Strafzins könnte beim Kunden landen

Kaum sinken die Dispozinsen etwas ab, werden schon wieder Warnung laut, dass die Bankgebühren doch wieder steigen könnten. Erstmals müssen Banken Strafzinsen für die Gelder zahlen, die sie bei der Notenbank hinterlegen. Experten befürchten, dass die Kosten auf die Kunden abgewälzt werden könnten.

Zinsen© M&S Fotodesign / Fotolia.com

Frankfurt/Main (dpa) - Nach der historischen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gehen erste Banken bei den Dispozinsen etwas auf ihre Kunden zu. Doch die leichte Senkung der nach wie vor oft zweistelligen Gebühren fürs Kontoüberziehen geht Kritikern nicht weit genug. "Wir haben viel zu hohe Dispozinsen im Vergleich zum sonstigen Zinsumfeld", kritisierte Verbraucherschützerin Dorothea Mohn im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

Zudem sei zu befürchten, dass die Branche den neuen Strafzins für Einlagen der Institute bei der EZB trotz aller Beteuerungen auf Umwegen doch auf die Kunden abgewälzen wird, sagte die Geldanlageexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Leitzins gesenkt

Die EZB hatte am 5. Juni den Leitzins auf 0,15 Prozent gesenkt. Damit kommen Banken noch günstiger an Zentralbankgeld. Außerdem müssen die Institute künftig 0,10 Prozent Strafzinsen auf Geld zahlen, das sie bei der EZB parken, statt Kredite zu vergeben. Das Bundesverbraucherministerium hatte nach der EZB-Entscheidung die Kreditwirtschaft aufgefordert, die Dispozinsen zu senken.

Umfrage zu den Dispozinsen

Einer Umfrage der "Bild"-Zeitung (Samstag) unter mehr als zehn Geldhäusern zufolge wollen Deutsche Bank und Berliner Bank zum 16. Juni ihre Dispo-Konditionen um jeweils 0,1 Punkte auf maximal 11,8 Prozent je nach Kontotyp kürzen. Bei der Norisbank sinkt der Dispo-Zinssatz von derzeit 11,25 Prozent auf 11,15 Prozent. Bei der Postbank gelten für das Konto "GiroPlus" künftig 11,95 Prozent statt 12,05 Prozent, für das "GiroExtraplus" 9,3 Prozent statt 9,4 Prozent. Die Commerzbank verringert demnach für Neukunden die Dispo-Zinsen ab dem 26. Juni um 0,5 Punkte auf 11,4 Prozent.

Gesetzliche Grenzen für Zinsen

"Die aktuellen Zinssenkungen sind ein schlechter Witz", kritisierte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, am Samstag. Kritik kam auch von den Linken. Beide Oppositionsfraktionen fordern gesetzliche Obergrenzen für Dispozinsen. Verbraucherschützerin Mohn sagte: "Vorstellbar wäre ein Wert von sieben Prozent auf Grundlage des Referenzzinses Euribor." Seit Jahren kämpfen Verbraucherschützer gegen teils zweistellige Dispozinsen.

Schwieriger Wechsel

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon verwies in einer dpa-Umfrage darauf, dass die Dispozinsen seit 2008 im Schnitt um rund drei Prozentpunkte gesunken seien. Die Kreditwirtschaft habe also durchaus reagiert. Der Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), derzeit auch Sprachrohr der Deutschen Kreditwirtschaft, erklärte, Kunden hätten in Sachen Kontoführung und Dispokonditionen "die Möglichkeit, unter einer Vielzahl von Angeboten zu wählen".

Genau diese Flexibilität sieht Verbraucherschützerin Mohn nicht. Beim Thema Dispo funktioniere der Wettbewerb nicht: "Die Banken machen sich dabei auch zunutze, dass man ein Konto nicht so einfach wechseln kann wie den Telefonanbieter oder den Energieversorger."

Strafzins abgewälzt

Herbst zeigte sich überzeugt, dass die negativen EZB-Einlagenzinsen etwa in Form höherer Kreditkosten beim Bankkunden landen werden: "Wer glaubt, dass Banker durch Strafzinsen Verluste machen, der täuscht sich. Irgendwo wird das wieder reingeholt." Verbraucherschützerin Mohn geht ebenfalls davon aus, dass der Strafzins "an anderer Stelle eingepreist" wird.

Negativer Einlagenzins

Inwiefern Banken Leitzinssenkung und negativen Einlagenzins an ihre Kunden weitergäben, sei "geschäftspolitische Entscheidung jedes einzelnen Instituts", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer: "Wir erwarten durch den Schritt der EZB allerdings nicht, dass es zu negativen Einlagenzinsen für Privatkunden kommen wird." Fahrenschon versicherte, die Sparkassen würden den negativen Einlagenzins "sicher nicht" an ihre Kunden weitergeben: "Wir können den Sparern nicht sagen: Jetzt musst Du für dein Vermögen auch noch Strafe zahlen."

Staatlicher Vorsorgefonds

SPD-Finanzexperte Carsten Schneider forderte als Antwort auf die Niedrigzinsphase im "Focus" gebührenfreie Anlagemöglichkeiten beim Bund. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Klaus Müller, brachte in dem Magazin einen staatlichen Vorsorgefonds ins Gespräch.

Neue Ideen scheinen angebracht: Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für den "Focus" überdenkt derzeit jeder fünfte Deutsche seine Anlagestrategie.

Erfahren Sie mehr zum Thema:
  • EZB

    Leitzins

    Wer sich Geld leihen oder Geld anlegen möchte, der kommt mit zwangsweise mit Zinsen in Kontakt. Diese werden jedoch nicht willkürlich von jeder Bank festgelegt, sondern orientieren sich am Leitzins. Was genau das ist, lesen Sie hier!

    weiter
  • Geld sparen

    Zinsen

    Zinsen zahlt man auf Kredite oder bekommt Sie für angelegtes Geld - das weiß jeder. Doch Zins ist nicht immer Zins und man sollte einige Dinge wissen, bevor man einen Vertrag beim Kreditinstitut unterschreibt. Was erklären wir!

    weiter
Weitere News zu diesem Thema
Geldanlage

Tagesgeld Rechner

Einlagensicherung

Immer verfügbar und eine bessere Verzinsung als auf Girokonten oder Sparbüchern: Tagesgeld ist ideal als kurzfristige Geldanlage

Zum Tagesgeldkonto-Vergleich
Konto

Günstiges Girokonto finden

Onlinebanking

Bei den Kontogebühren zeigen sich oftmals erhebliche Unterschiede zwischen den Banken. Vergleichen tut Not!

Girokonto-Vergleich
Zins-Vergleich

Ratenkredite im Vergleich

Zinsen

Neues Auto, neue Möbel? Mit einem Ratenkredit bekommen Sie die nötige Finanzspritze. Jetzt Konditionen vergleichen:

Ratenkredit-Vergleich