Rating

Euroländer nehmen Herabstufung gelassen auf

Die halbe Eurozone büßt im Schuldenstrudel an Kreditwürdigkeit ein, doch Europa bleibt betont gelassen. Die wichtigsten Entscheidungsträger bemühten sich am Wochenende, einen Flächenbrand zu vermeiden und erneuerten die Kritik an den Ratingagenturen in der Krise.

16.01.2012, 13:24 Uhr
Geldanlage© fox17 / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Am Freitagabend hatte Standard & Poor's (S&P) neun Euroländer herabgestuft, darunter Frankreich. Die Bestnote für den Euro-Rettungsfonds EFSF steht nun auf der Kippe.

S&P begründete den Schritt damit, dass die drohende Rezession im Euroraum die Haushalte der betroffenen Staaten weiter belasten werde. Der Finanzbedarf Spaniens und Italiens bleibe in den kommenden Wochen und Monaten groß, sagte Europa-Chef Moritz Krämer. Außerdem seien die Beschlüsse des EU-Gipfels vom Dezember unzureichend, um die Krise zu lösen. Europa konzentriere sich zu sehr auf die Haushaltspolitik und zu wenig auf seine Wettbewerbsfähigkeit.

Auch Merkel bleibt gelassen

Demonstrativ gelassen reagierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie fühle sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass "wir in Europa noch einen längeren Weg vor uns haben", sagte die CDU-Chefin. Die Euro-Zone solle den Fiskalpakt jetzt "noch schneller" fertigstellen und nicht versuchen, ihn "an allen Ecken und Enden" wieder aufzuweichen.

Die Spitzen der Eurozone versuchten, Diskussionen um die Top-Bonität für den Rettungsschirm im Keim zu ersticken, nachdem Frankreich und Österreich ihre Bestnote verloren haben. "Die Teilhaber des EFSF bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Möglichkeiten für die Bewahrung des AAA-Ratings zu prüfen", sagte Eurogruppen-Präsident Jean-Claude Juncker.

Durch den Entzug der Spitzenbewertung für Paris und Wien entsteht im EFSF ein großes Loch, denn allein der französische Anteil von rund 160 Milliarden Euro kann nun vermutlich nicht länger für die Ausgabe von AAA-Anleihen zur Finanzierung von Rettungsprogrammen für Pleitekandidaten genutzt werden. Ohne den Anteil aus Paris schmölze die Kreditsumme auf unter 300 Milliarden Euro. Andererseits würde der Verlust der Spitzenbewertung für die EFSF-Schuldscheine das Geldleihen für den Fonds verteuern.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, hält den EFSF für vorerst nicht gefährdet, da er noch nicht ausgeschöpft sei. Bisher seien aber rund 240 Milliarden Euro noch unbelegt. "Da Italien und Spanien nicht mehr als Fälle für den Rettungsschirm gelten, sollte dies also weiterhin funktionieren", sagte Hüther der Nachrichtenagentur dapd.

"Es kommt auf Fortschritt bei Haushaltssanierung an"

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, tritt auf die Bremse. "Ich halte das nicht für dramatisch, auch die USA und Japan haben kein AAA mehr", sagte er. Washington und Tokio könnten sich problemlos Geld zu niedrigen Zinsen leihen. "Für den Ausgang der Eurokrise ist die Kreditwürdigkeit von Italien und Spanien entscheidend", sagte der Ökonom. Dabei komme es aber mehr auf die Fortschritte der Haushaltssanierung an als auf das Rating.

Diese Argumentation durchzieht fast alle Reaktionen auf die Entscheidung aus New York. EU-Währungskommissar Olli Rehn nannte den Schritt "inkonsistent", denn er komme zu einer Zeit, in der die Länder "an allen Fronten entschlossen auf die Schuldenkrise reagieren".

Die Kreditwürdigkeit Italiens wurde von S&P - neben Moody's und Fitch eine von drei weltweit agierenden Ratingagenturen - von der Note A um zwei Stufen auf BBB+ gesenkt. Die Kreditwürdigkeit Spaniens wird statt wie bisher mit AA- fortan mit der Note A beurteilt. Die Bewertung von Portugal und Zypern wurde ebenfalls um zwei Stufen gesenkt. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

Ebenso wie im vergangenen August, als die weltgrößte Wirtschaftsmacht USA von S&P herabgestuft wurde, hagelt es auch jetzt wieder heftige Kritik am Gebaren der Staats-Bewerter. Merkel kann sich Gesetzesänderungen vorstellen, um die Bedeutung der Ratingagenturen zu reduzieren. Die Regeln, wonach etwa Versicherungen die Staatsanleihen eines Landes mit vergleichsweise schlechtem Rating nicht kaufen dürften, seien "sehr, sehr strikt", sagte sie. Sie hätten "im Grunde einen verstärkenden Effekt".

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