Versicherungen-News 04.08.2011
Verunsicherung
Viele wollen jetzt ihre Lebensversicherung verkaufen
Euro-Schuldenkrise und Inflation verunsichern viele Versicherungskunden. Immer mehr wollen jetzt ihre Lebensversicherung loswerden, weil sie Geld brauchen oder in andere, profitablere Geldanlagen investieren wollen.
München (dapd/red) - "Alleine im Juli verzeichneten wir Anfragen im Wert von über 100 Millionen Euro. Das geht in Richtung Verdoppelung", sagte der Finanzvorstand des deutschen Marktführers Cash.Life AG, Ingo Weber, am Mittwoch in Pullach. Beim Branchenverband BVZL hieß es: "Vielleicht eine Panikreaktion."
Die meisten verkaufen aus Geldnot
Die meisten Verkäufer veräußerten die Versicherungen aus Geldnot, erklärte Ingo Wichelhaus, Vorstand des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen. "Die Renditen der Versicherungen sind sehr anständig im Verhältnis zum Risiko und zu alternativen Anlagen. Vier Prozent Garantiezins bekommt man am Kapitalmarkt kaum, zumindest nicht mit dem gleichen Risikoprofil", sagte Wichelhaus der Nachrichtenagentur dapd.
Trotzdem steigt Cash.Life-Vorstand Weber zufolge der Anteil der Kunden, die aus einer Lebensversicherung in profitablere Geldanlagen umsteigen wollen. Sie sähen ihre Rendite durch Inflation und Abschreibungen auf Papiere in Schuldenländern bedroht, erklärte er.
Vorsicht vor unseriösen Rückkäufern
Vom Niveau vor der Finanzkrise ist der Zweitmarkt Lebensversicherungen noch weit entfernt. Wurden 2007 noch Lebensversicherungen für 1,4 Milliarden Euro gehandelt, waren es im vergangenen Jahr gerade einmal 160 Millionen Euro. "Langsam kommt Bewegung rein den Markt, aber es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das alte Niveau wieder erreicht ist", sagte Wichelhaus.
Der Verband rät Verkäufern von Policen dringend zur Vorsicht, wenn Anbieter 200 bis 300 Prozent der Rückkaufwerte als Kaufpreis bieten. Über seriöse Anbieter informiert er auf seiner Website.
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