Beitragserhöhung

Techniker, AOK, und DAK: Für viele Krankenversicherte wird es teurer

Für viele Krankenversicherte wird es im kommenden Jahr teurer. Nachdem bereits die Techniker Krankenkasse bereits vor knapp zwei Wochen angekündigt hatte, die Beträge zu erhöhen, kam die Nachricht auch von der DAK und Barmer GEK. Kunden können dann das Sonderkündigungsrecht nutzen.

KrankenkassenkarteViele müssen 2016 an ihre Krankenkasse höhere Beiträge entrichten.© Marco2811 / Fotolia.com

Berlin - Gesetzlich Krankenversicherte müssen im kommenden Jahr höhere Beiträge zahlen: Die DAK gab am Freitag bekannt, ab Januar den Beitragssatz anzuheben - und zwar gleich um 0,6 Prozentpunkte. Die Barmer GEK erhöht den Beitrag um 0,2 Prozentpunkte. Die Kassen gaben der Regierung die Schuld dafür, dass sie den Versicherten tiefer in die Tasche greifen. Das Gesundheitsministerium rechtfertigte die Politik der großen Koalition.

Beitragserhöhungen bei der Barmer GEK und DAK

Die DAK ist mit rund sechs Millionen Versicherten die drittgrößte deutsche Krankenkasse. Wie der Verwaltungsrat nun beschloss, soll der Beitragssatz ab Januar deutlich auf insgesamt 16,1 Prozent ansteigen. Auf die Versicherten der Barmer GEK kommt künftig ein Beitrag von 15,7 Prozent zu. Die Barmer GEK ist mit 8,6 Millionen Versicherten die zweitgrößte Krankenkasse.

Techniker Krankenkasse erhöht um 0,2 Prozentpunkte

Der Branchenprimus Techniker Krankenkasse mit insgesamt 9,5 Millionen Versicherten hatte bereits vergangene Woche angekündigt, den Beitragssatz um 0,2 Prozentpunkte auf dann 15,6 Prozent anzuheben. Auch einige Kassen der AOK wollen die Versicherten stärker zur Kasse bitten, im Durchschnitt wird ein Wert von 15,7 Prozent erwartet.

Sonderkündigungsrecht bei höheren Beiträgen

Berechnungen des Verbraucherportals Verivox zufolge müssen die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung im nächsten Jahr bis zu 306 Euro mehr zahlen. Wer wegen der höheren Beiträge die Krankenkasse wechseln will, kann dies tun. Versicherte verfügen in diesem Fall über ein Sonderkündigungsrecht.

Wichtig zu wissen: Wer kürzer als 18 Monate bei einer gesetzlichen Krankenkasse Mitglied ist, muss innerhalb des Monats kündigen, in dem die Beitragserhöhung angekündigt wurde. "Sonst verfällt das Sonderkündigungsrecht", sagt Projektleiterin Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest. Durch die geplanten Erhöhungen variieren die Tarife der Anbieter dann noch stärker - ein Vergleich lohnt sich also. "Gutverdiener können mehrere hundert Euro sparen, wenn sie wechseln", sagt Baierl-Johna.

Beitrag ist gesetzlich festgelegt

Der gesetzlich festgelegte Kassenbeitrag liegt bei 14,6 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens, wovon Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte tragen. Da der Anteil der Arbeitgeber eingefroren ist, müssen die Versicherten einen Mehrbedarf der Kassen alleine tragen. Dafür erheben die Krankenkassen den Zusatzbeitrag, dessen Höhe sie selbst festlegen können.

Krankenkassen geben der Bundesregierung die Schuld

Dass die Zusatzbeiträge nun steigen, liegt aus der Sicht der gesetzlichen Krankenkassen an der Politik der Bundesregierung. "Die Gesetze der Koalition im vergangenen Jahr belasten die Krankenkassen zusätzlich. Auch deshalb muss der Zusatzbeitrag steigen", sagte die Vorstandschefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Zwar würden die Beitragseinnahmen der Kassen wegen der guten Konjunktur wachsen, die Ausgaben stiegen aber seit Jahren noch stärker.

Pfeiffer kritisierte vor allem die jüngste Krankenhausreform von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Diese Reform sei unter den beschlossenen Gesetzen am teuersten gewesen. Auch andere Gesetze des Ministers wie das Präventionsgesetz oder das Hospiz- und Palliativgesetz kosteten zusätzlich Geld.

Das Gesundheitsministerium wies die Kritik zurück. "Unsere Gesetze sind immer darauf ausgerichtet, sowohl den Nutzen für den Patienten und eine gute gesundheitliche Versorgung sicherzustellen, als auch die nachhaltige Finanzierbarkeit im Blick zu behalten", sagte eine Sprecherin. "Beides muss Hand in Hand gehen und beides muss auch zentrales Anliegen der Krankenkassen sein."

DAK will neue Beitragsaufteilung

Die DAK erklärte, Prognosen zufolge müssen die Versicherten im kommenden Jahr bereits 14,4 Milliarden Euro über Zusatzbeiträge allein tragen. Sie fordert deshalb, dass die Beiträge wieder je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt werden. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich im "Tagesspiegel" dafür aus, die Arbeitgeber bei Beitragssteigerungen wieder angemessen mitzubelasten.

Quelle: AFP, DPA

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