Versicherungen-News 23.09.2010
Schon nächstes Jahr
Krankenversicherung soll wieder teurer werden
Die Krankenversicherung soll nochmals deutlich teurer werden. Bereits nächstes Jahr soll der normale Kassenbeitrag kräftig steigen. Danach sind wachsende Zusatzbeiträge vorgesehen, die der Versicherte alleine zahlt.
Berlin (dapd/red) - Entsprechende Pläne brachte das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg. Ressortchef Philipp Rösler (FDP) verteidigte seine Gesundheitsreform gegen Kritik von allen Seiten. Opposition, Sozialverbände und Krankenkassen sowie die Arbeitgeber ließen aber kein gutes Haar an den Regierungsplänen, und die CSU meldete sofort Korrekturbedarf an.
Versicherte würden erneut stärker belastet
Mit der Reform steigen die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern gemeinsam finanzierten Krankenkassenbeiträge zum ersten Januar 2011 von heute 14,9 auf 15,5 Prozent. Allein das belastet die Beitragszahler mit gut sechs Milliarden Euro. Anschließend soll der Arbeitgeberbeitrag bei 7,3 Prozent eingefroren werden. Künftige Kostensteigerungen übernimmt allein der Versicherte über steigende Zusatzbeiträge. Eine Überforderung soll mit einem Sozialausgleich verhindert werden. Die Koalition erwartet, dass Zusatzbeitrag und Ausgleich erst 2012 voll zum Tragen kommen.
Bei Ärzten und Kassen soll gespart werden
Bei Ärzten, Zahnärzten, Kliniken, Pharmaindustrie und den Verwaltungskosten der Kassen will Rösler 2011 insgesamt 3,5 Milliarden Euro sparen. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung war Rösler vor, nicht entschlossen genug zu handeln. "Durch ein engagierteres Sparprogramm hätte man das Ziel der finanziellen Stabilität auch ohne einen solchen Beitragsaufschlag erreichen können", erklärte Verbandschefin Doris Pfeiffer der Nachrichtenagentur dapd.
Harte Kritik der Opposition
Die Opposition und die Sozialverbände kritisieren die Reform als ungerecht. Versicherte und Patienten würden einseitig belastet, "daran ändern auch verbale Verharmlosungen nichts", sagte der Präsident der Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach von "unsozialer Abzocke" und warnte vor schwindenden Nettoeinkommen der Versicherten. Die Linke sieht einen "Raubzug durch die Portemonnaies von Gering- und Normalverdienern und Patienten". Grünen-Fraktionschefin Renate Künast meinte: "Das ist eine Reform auf dem Rücken der Beitragszahler."
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