Versicherungen-News 22.06.2011
Neuer Ärger
Ergo Versicherung soll Kunden bewusst falsch beraten haben
Neuer Ärger für Ergo: Nach den Skandalen um eine Sex-Orgie für Versicherungsvertreter und falsch berechnete Riester-Verträge steht Deutschlands zweitgrößter Versicherer schon wieder wegen dubioser Praktiken in der Kritik. Vertreter der einstigen Ergo-Tochter Victoria sollen Kunden bewusst falsch beraten haben - auf Anweisung von oben.
Düsseldorf (dapd/red) - Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" haben Vertreter der Victoria 2009 systematisch und "auf Anweisung von oben" Kunden mit beitragsfrei gestellten Lebensversicherungen geraten, ihre Verträge zu kündigen. Das ausbezahlte Geld floss dann in spezielle Unfallversicherungen. Dabei soll den Kunden nach Informationen der Zeitung häufig verschwiegen worden sein, dass sie mit der Lebensversicherung in vielen Fällen auch Steuervorteile sowie eine Zinsgarantie von bis zu vier Prozent aufgegeben hätten. Insgesamt soll es sich um 2.000 bis 4.000 Fälle handeln. Lars Gaschke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte der Zeitung, dies sei ein "unglaublicher Vorgang, bei dem es nur um Abschlussprovisionen ging".
Ergo weist Vorwürfe zurück
Ein Ergo-Sprecher bestätigte, dass es 2009 zu derartigen Umstellungen gekommen sei, wies aber die Darstellung der Zeitung zurück, wonach es sich um eine systematische Aktion gehandelt habe. Im Gegenteil: Ergo habe die Unfallversicherung gegen Einmalzahlung im Juli 2009 eingeführt. Als es im August erste Anzeichen für derartige Umstellungen gegeben habe, habe der Vorstand sofort deutlich gemacht, dass diese Praxis unerwünscht sei.
Erst am Freitag vergangener Woche hatte Ergo eingeräumt, 2005 in rund 14.000 Fällen beim Abschluss von Riester-Verträgen ein fehlerhaftes Formular verwendet zu haben, bei dem den Kunden ein zu niedriger Kostensatz genannt wurde. Der Konzern kündigte an, er werde für die Betroffenen den Vertrag nun mit dem niedrigeren Kostensatz neu berechnen. Der Fehler werde das Unternehmen einen einstelligen Millionenbetrag kosten- zugunsten der Kunden.
Der Schritt kommt allerdings spät. Ergo hatte nach eigenen Angaben bereits im Oktober 2005 von dem Fehler erfahren - ohne irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen.
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