Versicherungsaufsicht

Eiopa: Niedrigzinsen sind gefährlich für Versicherer

Europas Versicherungen im Test: Kommen die Unternehmen mit den niedrigen Zinsen klar? Was passiert, wenn die Aktienkurse fallen oder Naturkatastrophen Europa heimsuchen? Ein europaweiter Stresstest zeigt: Nicht alle Unternehmen sind gerüstet.

Rechtschutzversicherung© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/M (dpa/red) - Anhaltend niedrige Zinsen könnten nach Einschätzung der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa langfristig einige Versicherer in die Bredouille bringen. "In acht bis elf Jahren könnten einige Versicherer Probleme haben, ihre Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern zu erfüllen", warnte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino am Montag in Frankfurt. Die Behörde hatte am Sonntag die Ergebnisse zu einem Stresstest für die europäische Versicherungsbranche veröffentlicht.

Rund 24 Prozent der Versicherungen sind unsicher

Vor allem Lebensversicherer, die ihren Kunden in der Vergangenheit hohe Garantiezinsen zugesichert hatten, leiden unter den Niedrigzinsen. Es fällt ihnen schwer, auskömmliche Renditen zu erzielen. Ergebnisse zu einzelnen Versicherern oder Ländern nennt die Eiopa allerdings nicht.

Insgesamt könnten bei langanhaltenden Niedrigzinsen rund 24 Prozent der 225 untersuchten Unternehmen in der EU und Norwegen die Eigenmittelanforderungen nach dem neuen Regelwerk "Solvency II" verfehlen. Mit "Solvency II" soll die Versicherungsbranche krisenfester gemacht werden. Unter anderem müssen Lebensversicherer für Garantiezinsen einen größeren Kapitalpuffer haben. Das Regelwerk tritt zum 1. Januar 2016 in Kraft.

Test auf fallende Aktien und Katastrophen

In einem weiteren Test prüfte die Eiopa, wie krisenfest 60 Versicherungskonzerne und 107 Einzelunternehmen bei fallenden Aktien- und Anleihekursen, hohen Schäden durch Naturkatastrophen und einer Kündigungswelle bei Lebensversicherungen sind. In diesem Fall erfüllten nur 56 Prozent der untersuchten Unternehmen die Anforderungen von "Solvency II".

Schon ohne diese Stressfaktoren verfehlten 24 Versicherer in der EU, der Schweiz, Norwegen und Island die strengeren Eigenmittel-Anforderungen. Allerdings handle es sich dabei um kleinere Unternehmen, sagte Bernardino. Die großen Versicherungskonzerne hätten an dieser Stelle eher geringe Probleme.

Versicherer müssen Bilanzen anpassen

Die betroffenen Unternehmen müssten nun ihre Bilanzen verändern. "Dabei geht es nicht nur um Kapitalerhöhungen", sagte Bernardino. Versicherer können beispielsweise ihren Geschäftsmix verändern, wie es Anbieter wie Allianz, Ergo und Axa mit neuartigen Lebensversicherungsverträgen bereits tun. Oder sie ändern ihre Anlagestrategie, um höhere Renditen zu erzielen.

Die Eiopa als Oberaufsicht kann Empfehlungen aussprechen, zuständig sind aber die nationalen Aufsichtsbehörden. Sie entschieden auch, welche Versicherer an dem Test teilnahmen. Mitte November hatte bereits die deutsche Finanzaufsicht Bafin die hiesigen Lebensversicherer vor drohenden Kapitallücken in Milliardenhöhe gewarnt.

Quelle: DPA

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