Archiv-News 12.02.2001

Zahl der deutschen Millionäre steigt

Breite Bevölkerungsteile profitieren vom Geldsegen

Immer mehr Deutsche gehören zum Club der Millionäre. Das hat eine Untersuchung von des Unternehmensberaters Cap Gemini Ernst & Young ergeben. So ist die Zahl der Reichen in den Jahren 1996 bis 1999 um jährlich 5,3% auf insgesamt 365.000 gestiegen, heißt es. Das Gesamtvermögen dieser gut betuchten Privatanleger belaufe sich auf 2.000 Milliarden Euro und stieg im gleichen Zeitraum jährlich um zehn Prozent. Für den wachsenden Reichtum gebe es viele Gründe: Einer sei der Börsenboom, der auch künftig das Geldvermögen der Superreichen kräftig anwachsen lassen wird. Doch nicht nur gutsituierte Anleger würden immer reicher, auch die breite Bevölkerung habe vom Geldsegen profitiert. Dafür, dass die bereits sehr vermögenden Deutschen noch reicher werden, sorgen den Angaben zufolge vor allem der Verkauf von Familienunternehmen, die steigende Anzahl von Börsengängen und der Start-up-Boom. Dieses ergab die von Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young vorgelegte Studie "German Wealth Report 2000".

Vermögen konzentriert sich in den alten Ländern

"Wir erwarten, dass sich das überdurchschnittliche Wachstum des Geldvermögens in den Händen von vermögenden und sehr vermögenden Privatanlegern in Deutschland weiter fortsetzen wird", prognostiziert Fabian Frohn, Strategieberater und Leiter der Studie bei Cap Gemini Ernst & Young in Bad Homburg. In Deutschland leben rund 365.000 Personen mit mehr als einer Million Euro Geldvermögen und 3.700 mit einem Geldvermögen von mehr als 30 Millionen Euro, so der Unternehmensberater. Die Gruppe der Reichen hätte im Zeitraum von 1996 bis 1999 um 5,3% jährlich, entsprechend insgesamt um 52.000 Personen, zugenommen. 612 Mrd. Euro befänden sich allein im Besitz der 3.700 Superreichen.

Insgesamt 25,7% des gesamtdeutschen Vermögens werden von 0,5% der erwachsenen deutschen Bevölkerung gehalten, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Dabei sind 92% des deutschen Vermögens in den alten Bundesländern und in Berlin konzentriert. 90,5% aller reichen und superreichen Deutschen leben in den alten Bundesländern, nur 9,5% in den neuen Bundesländern. In den Hansestädten Hamburg und Bremen sowie in Hessen bestehe im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die größte Millionärsdichte. Absolut betrachtet würden die meisten Reichen in Nordrhein-Westfalen mit seiner historisch gewachsenen großen Zahl von Familienunternehmen, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg leben.

Im europäischen Vergleich an der Spitze

Im europäischen Vergleich erreiche Deutschland sowohl bei den Euro-Millionären als auch bei den noch vermögenderen Personen mit einem Anteil von rund 30 Prozent am gesamten europäischen Vermögen eine dominierende Stellung. Die vergleichsweise hohe Vermögenskonzentration in den Händen Deutscher sei die Folge des seit den fünfziger Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs. Als besonders erfreulich erscheine es, dass es nicht zu einer weiteren Konzentration des Geldvermögens gekommen sei, sondern vielmehr zu einer breiter gestreuten Vermögensverteilung. Diese Entwicklung stehe im Gegensatz zu der Entwicklung in anderen Ländern wie beispielsweise Großbritannien.

Einer der wichtigsten Gründe für das Wachstum des Geldvermögens sei die positive Börsenentwicklung der letzten Jahre. Mit Ausnahme des vergangenen Jahres habe die deutsche Börsenkapitalisierung im Vergleich zum Bruttosozialprodukt stark zugenommen. Diese positive Entwicklung habe zu einer breiteren Akzeptanz von Eigenkapitalanlagen geführt und den Kreis der vermögenden Deutschen deutlich erweitert. Auch von den erfolgreichen Börsengängen gingen deutliche Wachstumsimpulse aus, so Cap Gemini. Auch die werbeträchtigen Börsengänge von Telekom und Post hätten bei Vielen zum Umdenken geführt. Anleger investierten vermehrt in innovativere und rentablere Anlageformen wie beispielsweise Aktien und Fonds statt in Sparbücher, Immobilien und festverzinsliche Investments. - wag

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