Archiv-News 20.02.2003

Was kommt nach der Entrium-Übernahme?
von Torsten Graf

Die DiBa Allgemeine Deutsche Direktbank AG hat vor gut zwei Wochen mit der Übernahme der Entrium Direct Bankers AG zum großen Wurf ausgeholt und sich an die Spitze der deutschen Direktbanken katapultiert.

Der Kaufpreis von 300 Mill. Euro spricht dabei zweifelsohne für die DiBa - sie erhält Entrium damit zum Schnäppchenpreis. Um diesen Preis richtig einordnen zu können, drängt sich ein Rückblick in den April 2002 auf. Damals übernahm die BNP Paribas den Online-Broker Consors und zahlte letztlich immerhin rund 480 Mill. Euro. Bei Consors handelte es sich jedoch um eine defizitäre und "nur" 500.000 Kunden zählende Bank. Entrium hingegen bringt fast eine Million Kunden auf die Waage und arbeitete in 2002 profitabel.

Auch unabhängig von solchen Vergleichen, ist der Erwerb leicht zu rechtfertigen. Denn wie schon die DiBa selbst erklärte, bezogen auf den einzelnen Entrium-Kunden entspricht die Kaufsumme ziemlich genau dem Betrag, den die DiBa derzeit ohnehin für einen Neukunden aufwende. Fraglich ist indes, ob die DiBa am Ende wirklich eine Million Neukunden begrüßen können wird, denn Konten bei mehreren (Direkt)Banken sind heutzutage keine Seltenheit.

Aus Kundensicht bleibt es nun abzuwarten, wie sich das Produktangebot und die dazugehörigen Konditionen des neuen Direktbankriesen entwickeln werden. Es wäre jedoch naiv anzunehmen, von beiden Direktbanken würden nur die jeweils besten Konditionen überleben. Sehr wahrscheinlich ist, dass im Zuge der Fusion der Zinssatz des Extrakontos sinken wird. Denn auch noch den zahlreichen Tagesgeldkontoinhabern von Entrium 3,5% zu bieten, dürfte die DiBa und ihre Gewinn- und Verlustrechnung doch arg strapazieren. Im Interbankengeschäft wird Tagesgeld beispielsweise unter 2,80% gehandelt und manch eine Sparkasse bietet erst für eine zehnjährige Festschreibung 3,55%. Entrium ist übrigens mit 2,75% auf ihr Online Tagesgeld dichter am Marktgeschehen. Und generell hat ja die DiBa durch die Entrium-Übernahme genug Kunden hinzubekommen. Warum also noch weiter Gas geben?

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