Archiv-News 20.02.2004

Verkäufer der Sparkasse Stralsund wieder am Zug

Oberbürgermeister Harald Lastovka legt in der causa Sparkasse Hansestadt Stralsund nun einen Zahn zu. Er baut darauf, dass die Stadt in einem Gerichtsverfahren freie Hand für eine Veräußerung der Sparkasse bekommen wird. In der Zwischenzeit hat er das Bieterverfahren für die Sparkasse eingeleitet.

Wie in dieser Woche von mehreren Zeitungen berichtet wurde, nutzt Lastovka die kurze Atempause, die ihm die Landesregierung nach seiner Stellungnahme Mitte Januar gewährt hatte, und ruft offen zur Abgabe von Angeboten für die Stralsunder Sparkasse auf. Der Oberbürgermeister und seine juristischen Berater gehen davon aus, dass der Verkauf einen Erlös von bis zu 50 Mill. Euro in die Stadtkasse spülen könnte. Anfragen habe es aus dem In- und Ausland gegeben. Konkret im Gespräch ist neben der Commerzbank auch die schwedische SEB Bank, die sich diese Woche in Frankfurt offiziell als Interessent outete. Trotzdem von Seiten der Banken die unklare rechtliche Lage eines Verkaufs als Manko angeführt wird, baut Lastovka darauf, dass die interessierten Kreditinstitute bald konkrete Angebote unterbreiteten. In der kommenden Woche werde er Bewerbern ein Informationsmemo zukommen lassen. Bis März sollen entscheidungsreife Szenarien stehen.

Die Gegenseite legt indes keineswegs die Hände in den Schoß. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns prüfte am Donnerstag in einer Anhörung das Für und Wider einer geplanten Gesetzesänderung, die juristisch einer Fusion Vorrang vor einer Veräußerung der Sparkasse geben würde. Zudem droht auch von Seiten des Verwaltungsgerichtes Greifswald Ungemach. Die PDS hatte hier einen Eilantrag eingereicht, mit dem sie den Verkauf stoppen will. Fällt hier eine Entscheidung gegen die Verkaufsabsichten, so müsse der Veräußerungsprozess vorerst gestoppt werden, befürchten Lastovkas juristische Berater.

Der Verkauf der Sparkasse Stralsund an eine Privatbank ist insofern ein Präzedenzfall, als dass durch ihn das sogenannte Drei-Säulen-System der deutschen Bankenlandschaft durchbrochen wird. Das weltweit einzigartige System stellt die drei Säulen Privatbanken, Sparkassen und Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken nebeneinander. - cs

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