Archiv-News 12.03.2004
Umwelt und Ethik im Aufwind
Investieren und dabei ein gutes Gewissen haben, das ist für immer mehr Menschen ein Argument bei Geldanlagen nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten zu handeln. Herkömmliche Fonds streuen ihren Aktienbesitz jedoch breit, weshalb es vorkommen kann, dass der Fondsbesitzer unfreiwillig "schmutziges" Geld aus den Gewinnen des Fonds bezieht; beispielsweise wenn der Fonds Anteile an einer Rüstungsfirma hält.
In die Entscheidung, Geld in einen Fonds einzuzahlen, fließt somit immer öfter ein, ob die Firmen, in die der Fonds investiert, nach sozialen oder ökologischen Gesichtspunkten auch nachhaltig arbeiten. Ausgeschlossen sind im Sinne der Nachhaltigkeit (Englisch: Sustainability) etwa nicht nur Rüstungs- oder Atomfirmen sondern auch Unternehmen, die Kinderarbeit fördern; kurzum alles, was zu Lasten späterer Generationen oder sozial Schwacher geht.
Dabei können die sogenannten Nachhaltigkeits-Fonds nach negativen oder positiven Kriterien beurteilt werden. Ein Negativ-Kriterium schließt bestimmte Branchen etwa ganz aus, wie Rüstungsfirmen. Positive Kriterien schreiben fest, welche Kriterien die im Portfolio gehaltenen Unternehmen mindestens erfüllen müssen. Eine gewisse Zweigleisigkeit besteht auch hier: Der Anleger soll eine angemessene Rendite für seine Investition erhalten
Die Idee der Nachhaltigkeit ist nicht ganz neu. In Deutschland, wo noch vor ethischen Fonds besonders ökologisch orientierte Fonds nachgefragt werden, wurde im Jahr 1989 der erste Umweltfonds aufgelegt. Inzwischen ist die Zahl der "prinzipiengeleiteten" Fonds auf rund 100 angestiegen. Im Jahr 2001 investierten die Deutschen in solche Nachhaltigkeits-Fonds geschätzt rund 2,5 Mrd. Euro. Das käme einem Marktanteil bei den Publikumsfonds von etwa 1% gleich.
Dabei werden in Deutschland Nachhaltigkeitsfonds vom Gesetzgeber gefördert. Es gibt hierzulande eine Verpflichtung für die Anbieter von betrieblichen Pensionsfonds und staatlich zertifizierten Altersvorsorgeverträgen, darüber zu berichten, welchen Einfluss soziale und ökologische Kriterien bei ihrer Anlageentscheidung gespielt haben.
Die SiRi-Group, eine Gruppe von Sozial- und Umweltanalyse-Instituten, beziffert die Anzahl solcher Fonds in Europa auf 320, weltweit auf 600. Experten schätzten Anfang 2002, dass in den USA knapp 15% des gesamten Kapitals institutioneller Investoren, immerhin rund 1,88 Bill. US-Dollar, nach sozialen, ökologischen oder Nachhaltigkeitskriterien angelegt waren. - cs
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