Archiv-News 07.03.2001
Sparkassen übernehmen pulsiv.com
Mit ihrer knappen Mitteilung, 90% der Anteile an dem Duisburger Online-Broker Pulsiv AG übernehmen zu wollen, hat die Sparkassenorganisation für eine große Überraschung gesorgt. Für die restlichen 10% hat die bisherige Mutter HSBC Trinkaus & Burkhardt den Sparkassen eine Kaufoption eingeräumt. Wie aus einer ergänzenden Mitteilung hervorgeht, soll pulsiv.com zunächst auf die Geschäftsphilosophie der Sparkassenorganisation ausgerichtet werden. Außerdem ist in absehbarer Zeit eine Namensänderung des Brokers vorgesehen, bei der laut Thomas Mang, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), auf das "Sparkassen-S" zurückgegriffen werden soll. Denn immerhin repräsentiert nach Mangs Worten das "S" die “stärkste deutsche Finanzdienstleistungsmarke". Zugleich wurde betont, das alle bisherigen Ressourcen der Pulsiv AG weiter genutzt werden sollen - Entlassungen wird es laut Mang nicht geben.
Mit dieser Übernahme sparen sich die Sparkassen die Entwicklung einer selbständigen Brokerage-Lösung, deren Launch ursprünglich für den Herbst 2001 vorgesehen war, erklärte Dr. Dietrich Hoppenstedt, Präsident des DSGV. Nach der jetzigen Transaktion sind die Sparkassen nun bereits mit Wirkung zum 1. April am Markt präsent. Eine Genehmigung der Kartellbehörden gilt in Branchenkreisen als sicher.
Wie weiter mitgeteilt wurde, ist pulsiv.com als Parallelangebot für die Kunden gedacht, die dem Multikanal-Brokerage-Angebot der regionalen Sparkassen ein reines Online-Brokerage vorziehen. Damit wirkte Hoppenstedt offensichtlich den Bedenken einzelner Sparkassen entgegen, die ihre Kunden nicht an einen gemeinsamen Broker abgeben wollen. Zeitungsberichten zufolge ist die Front der Ablehnung breit. Insbesondere im süddeutschen Raum seien nur wenige Sparkassen bereit, einen Anteil an pulsiv.com zu übernehmen, heißt es; der Sparkassenverband Baden-Württemberg wolle sogar komplett außen vor bleiben.
Wie die Anteile letztlich verteilt werden, ist indes noch ungewiss. In einem ersten Schritt werden sechs Großsparkassen zunächst 90% an der Pulsiv AG übernehmen und interessewahrend und treuhänderisch verwahren. Danach sollen diese Aktien in eine GmbH und Co. KG eingebracht werden, deren Komplementärin die DGZ-DekaBank über eine GmbH sein wird, so Mang. Kommanditisten der Gesellschaft sollen die beitrittswilligen regionalen Sparkassenverbände bzw. die Institute direkt sein. Die momentan sechs tonangebenden Sparkassen sind die Hamburger Sparkasse, die Sparkasse Bremen, die Stadtsparkasse Hannover, die Nassauische Sparkasse, die Kreissparkasse Köln und die Stadtsparkasse Köln. Wesentliche Aufgaben bei der Übernahme hatte nach Angaben des DSGV die Stadtsparkasse Köln übernommen. - gra
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