Archiv-News 17.01.2001
Rentenmärkte: Stimmung trotz Zinssenkungsimpulsen freundlich
Im Gegensatz zur Tristesse an den Aktienbörsen verabschiedeten sich die Rentenmärkte des Euroraumes vom alten Jahr mit einer veritablen Bilanz (Rückgang der Verzinsung der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen um 51 Basispunkte auf 4,84% und der Umlaufsrendite um 30 Stellen auf 4,85 Prozent). Wie die Landesbank Rheinland Pfalz (LRP) in ihrem regelmäßig erscheinenden Marktbericht schreibt, ließen sich mit zehnjährigen öffentlichen Anleihen über Jahresfrist sogar 8,65% verdienen.
Die stärksten Zinssenkungsimpulse empfingen die heimischen Festverzinslichen nach einer längeren Seitwärtsbewegung in den Monaten November und Dezember, heißt es. Als entscheidendes Element für die positive Entwicklung, die sich zum Januarauftakt durch den überraschenden Zinssenkungs-Coup von Alan Greenspan (Zielsatz für Tagesgeld um 50 Stellen auf 6,0% und Diskontsatz in zwei Schritten auf 5,50%) kurzzeitig noch verstärkte, hätten sich neben der Eurostabilisierung vor allem die transatlantischen Vorgaben erwiesen. In den USA hatten sich den Angaben der LRP zufolge unter dem Eindruck zunehmend negativer Wirtschafts- und Unternehmensmeldungen die Renditen der zehn- und dreißigjährigen Treasuries bis Jahresultimo auf 5,10 bzw. 5,42% (Vergleich Ultimo 1999: 6,43 bzw. 6,48%) ermäßigt. Bereits auf der FOMC-Sitzung vom 19. Dezember kündigte die Fed unter dem Eindruck zunehmender amerikanischer Wachstumsschwäche an, den Kurs ihrer restriktiven Geldpolitik zu verlassen, heißt es weiter. Die jüngste Revision des BIP-Anstiegs im dritten Quartal auf nur noch 2,2% sowie rückläufige Frühindikatoren und das kräftig gesunkene Verbrauchervertrauen waren weitere Anstöße, so die LRP-Experten.
Ausschlaggebend für das "Zinsfeuerwerk" der Notenbank vom 3. Januar dürfte aber letztendlich der scharfe Rückgang des US-Einkaufsmanagerindex (NAPM) vom Dezember auf 43,7 nach 47,7 Punkte gewesen sein. Inzwischen scheine auch bei der Fed, die noch im November die Inflationsgefahren ganz oben auf ihrer Agenda stehen hatte, die Rezessionsfurcht gestiegen und der Weg für weitere Lockerungsschritte (vielleicht schon Ende Januar um nochmals 50 Basispunkte) geebnet zu sein. In Euroland dürfte es die EZB angesichts der günstigeren Konjunkturperspektiven dagegen noch nicht eilig haben, die Liquiditätsschleusen zu öffnen. Da sich aber das Geldmengenwachstum im November deutlich abschwächte (M3-Jahresrate plus 4,9 nach 5,2% im Oktober) und sich auch die Inflationsaussichten gebessert haben (gesunkene Ölpreise), könnte sich jedoch auf Sicht der nächsten Monate auch für Euroland Zinssenkungsspielraum ergeben.
Insgesamt gesehen sollte die freundliche Stimmung an den Bondmärkten beidseits des Atlantiks vorerst anhalten. Für mögliche Turbulenzen könnten allerdings wieder steigende Ölnotierungen sowie budgetschädliche amerikanische Konjunkturprogramme sorgen. Unter Chance-/Risikoerwägungen empfiehlt die LRP mittlere Laufzeiten. - wag
© 2000-2012 Gelon.de