Archiv-News 23.02.2001

Potentielle Anleger halten Taschen geschlossen

Zu weiteren Kursverlusten kam es am deutschen Aktienmarkt in dieser Woche. Wie die Commerzbank in ihrem wöchentlich erscheinenden Börsenbericht schreibt, irritierte einerseits der hohe Wertberichtigungsbedarf der Telekom auf Immobilienvermögen. Andererseits wirkten sich die schwachen Vorgaben aus den Vereinigten Staaten belastend aus, nachdem die anziehenden Teuerungsraten eine nur noch moderate Zinssenkung erwarten lassen, heißt es. Positiv entwickelten sich die Automobilwerte und hier insbesondere Volkswagen in Reaktion auf gute Ertragszahlen, so die Commerzbank. Sowohl der DAX als auch der NEMAX fielen weiter deutlich zurück und haben ihre in diesem Jahre erzielten Kursgewinne wieder eingebüßt.

Auch wenn die Rückgänge beim DAX durch die Schwäche einzelner "Indexschwergewichte" überzeichnet würden, sei ein Ende des Stimmungstiefs an der Börse nicht in Sicht. Potentielle Käufer hielten ihre Taschen weitgehend geschlossen, schlechte Unternehmensnachrichten würden als Gelegenheit aufgegriffen, um weiter Kasse zu machen. In dieser negativen Übertreibungsphase fänden die positiven "Fundamentals" wenig Beachtung. Die Gewinne der Unternehmen dürften 2001 und 2002 jeweils um rund 15% ansteigen, der ifo-Geschäftsklimaindex nahm erstmals seit sieben Monaten wieder zu und auch die US-Konjunktur könnte im ersten Vierteljahr ihren Tiefpunkt schon erreicht haben. Dies werde auf Jahressicht dem DAX ein Kurspotential von rund 25% eröffnen. Somit bedürfe es letztlich nur eines "Funkens", um die Aktienkurse wieder steigen zu lassen, denn Liquidität bei Fonds und privaten Anlegern ist reichlich vorhanden. Überdurchschnittliche Chancen sieht die Commerzbank bei ausgewählten Titeln aus dem Technologiebereich wie Siemens, die die augenblickliche Schwächephase bei TMT-Werten zu günstigen Einkäufen in den USA nutzen. Auch zyklische Aktien wie Linde seien vielversprechend. Als Anlagealternative biete sich AMB an, die von der Stärkung der privaten Altersvorsorge profitieren werde und zudem eine attraktive Dividendenrendite biete.

Deutlich zur Schwäche neige der europäische Rentenmarkt. Anziehende Inflationsraten in den Vereinigten Staaten und Deutschland, der verbesserte ifo-Geschäftsklimaindex sowie wieder steigende Ölpreise hätten den Hoffnungen auf aggressive Zinssenkungen in Deutschland und Übersee einen Dämpfer versetzt. Zudem verunsichere die weitere Abschwächung des Euro. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte den Angaben zufolge auf 4,85%. Bei Neuanlagen böten sich weiterhin Anleihen im Laufzeitenbereich über 4 Jahre an, wobei aus Renditegründen Pfandbriefe und Inhaberschuldverschreibungen zu bevorzugen seien. - wag

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