Archiv-News 02.03.2001
Ohne Kurserholung in den USA kaum Chancen für deutsche Aktien
Weiterhin schwach ist die Tendenz am deutschen Aktienmarkt. Zum einen hat der Endspurt beim Karneval die Handelsaktivitäten gedämpft, zum anderen hielten sich die Anleger im Vorfeld der Rede des US-Notenbank-Chefs mit Neuengagements zurück. Wie die Commerzbank in ihrem wöchentlich erscheinenden Börsenbericht jedoch weiter feststellt, lassen dessen Aussagen jedoch keine kurzfristige Zinssenkung erwarten. In einem lustlosen Umfeld bestimmten Einzelmeldungen den Börsentrend, seien es das Sanierungskonzept von DaimlerChrysler oder die Abschaffung der Vorzugsaktien bei SAP, heißt es. Damit endete der Februar aus Anlegersicht mit einer enttäuschenden Bilanz, so der Börsenbericht. Der DAX büßte knapp 9% ein; nur die lange vernachlässigten Bauwerte und Automobilaktien waren auf der Gewinnerseite zu finden, während TMT-Titel rund ein Fünftel ihres Wertes einbüßten. Noch heftiger erwischte es den Nemax, der nach einem massiven Verlust von einem Viertel auf ein neues Tief zurückfiel.
Ohne spürbare Kurserholung in den Vereinigten Staaten werde sich der deutsche Aktienmarkt kaum nachhaltig erholen. Noch sind die konjunkturellen Signale aus den Vereinigten Staaten zwiespältig: Das Verbrauchervertrauen ist zum fünften Mal in Folge gesunken, während die Ausgaben der Verbraucher gestiegen sind, heißt es weiter. Andeutungen von Notenbankpräsident Greenspan lassen vermuten, dass die US-Wirtschaft die Talsohle noch nicht erreicht hat, eine Rezession sich aber nicht abzeichnet, so die Commerzbank. Auch die Wirtschaft in Deutschland zeige Bremsspuren. Dies lasse kurzfristig keine Trendwende an der deutschen Börse erwarten. Auf mittlere Sicht werde es aber zu einer spürbaren Kurserholung kommen: Hoffnung würden die zweistellig steigenden Unternehmensgewinne, eine attraktive Bewertung des Euro, relativ niedrige Kapitalmarktzinsen sowie eine im zweiten Halbjahr erwartete Besserung der US-Konjunktur geben. Hinzu komme, dass viele Aktien und hier insbesondere MDAX-Werte ein attraktives Einstiegsniveau böten. Gute Chancen sieht die Commerzbank bei ausgewählten Titeln aus dem Technologiebereich wie Siemens oder Zyklikern wie Linde. Vielversprechend ist auch AMB, die von der Stärkung der privaten Altersvorsorge profitieren und zudem eine attraktive Dividendenrendite aufweisen, so die Meinung der Analysten.
Freundlich präsentierte sich der europäische Rentenmarkt, der von der Schwäche an den Aktienmärkten profitiert. Gleichzeitig mache der unter den Erwartungen liegende Anstieg der Geldmenge M3 im Januar einen Zinssenkungsschritt der EZB wahrscheinlicher, zumal auch einzelne Frühindikatoren in Deutschland eine Abkühlung der Konjunktur bestätigen würden. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf 4,75% zurück. Die Zinsentwicklung in Euroland werde weiter entscheidend von den US-Vorgaben beeinflusst. In den nächsten Wochen werden sich die Kapitalmarktzinsen den Prognosen der Commerzbank zufolge um 4,8% bewegen. Erst mit dem erwarteten Anstieg der US-Zinsen im zweiten Halbjahr und nachlassender Zinssenkungsfantasie in Euroland würden auch die europäischen Renditen moderat anziehen. In diesem Umfeld bleiben Anleihen mit Laufzeiten über 4 Jahre und aus Renditegründen Pfandbriefe und Bankschuldverschreibungen interessant, so die Empfehlung der Bank. - wag
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