Archiv-News 15.01.2001

LBBW: Vorschläge der Mitarbeiter sind wichtiger Erfolgsfaktor

Nach Ansicht der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommen Verbesserungsvorschlägen seitens der Mitarbeiter eine sehr wichtige Rolle zu. Dabei hat das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) in Deutschland eine lange Tradition. Bereits 1872 hielt Alfred Krupp fest, dass Verbesserungsvorschläge seitens der Belegschaft "dankbar entgegengenommen" werden. Der Erfolg des BVW ist seither je nach Branche unterschiedlich: Im Branchenranking stehen Automobil-, Autozulieferer-, Metallverarbeitende und Chemische Industrie an der Spitze, Banken und Versicherungen bewegen sich im unteren Mittelfeld. Die Landesbank Baden-Württemberg nimmt unter den Banken einen Top Ten Platz in Deutschland ein. Damit rangiert die LBBW aber deutlich vor den meisten Großbanken. Um diesen Standard zu halten und noch weiter auszubauen, führte die Bank im September 2000 ein neues Konzept ein.

Wettbewerbsvorteil Mitarbeiterkreativität

Unter dem Motto "denkmal! - Ideenreich unsere Bank mitgestalten" fordere die LBBW ihre Mitarbeiter auf, ihr Know-how einzubringen. "Die Erfahrungen und Kenntnisse der Mitarbeiter sind wesentliche Faktoren bei der Verbesserung unserer Produkte sowie unserer Dienstleistungen. Ihr Ideenpotenzial stellt einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil dar", erklärt Thomas Fischer, Vorstandsmitglied der Landesbank Baden-Württemberg. Der Banker spreche schließlich aus Erfahrung: Im Jahr 2000 reichten die Mitarbeiter rund 1.700 Verbesserungsvorschläge ein. Von diesen wurden 1.206 begutachtet, davon 316 (26%) realisiert beziehungsweise 439 (37%) mit einer Anerkennungsprämie honoriert, heißt es. Dem Unternehmen hätte dies im ersten Jahr der Umsetzung eine kalkulierte Nettojahreseinsparung von rund 350.000 Mark gebracht. Die Mitarbeiter wären mit Prämien in Höhe von insgesamt 175.000 DM für ihre Innovationen belohnt worden. Die Spannbreite lag dabei zwischen 100 und 20.000 Mark, so die LBBW.

Nicht nur materielle Anreize motivieren

Doch der finanzielle Anreiz sei nicht der einzige Garant für ein erfolgreiches Betriebliches Vorschlagswesen. Fischer weis: "Aktiver sind Mitarbeiter, wenn sie sehen, dass ihre Verbesserungsvorschläge zügig verwirklicht werden und die Führungskräfte ihre Leistung auch anerkennen". Deshalb würden für "denkmal!" folgende Grundsätze gelten: Der Vorschlag des Mitarbeiters wird zeitnah begutachtet und die mögliche Umsetzung geprüft, so dass der Mitarbeiter möglichst innerhalb von vier Wochen über die Beurteilung seines Vorschlags informiert wird.

Angenommene Vorschläge honoriere die Bank mit einer Prämie, die 50% der Nettojahreseinsparung im ersten Jahr der Umsetzung entspricht. Darüber hinaus zeige die LBBW ihre Wertschätzung, indem Mitarbeiter, deren Vorschlag erstmals angenommen wird, mit ihrem Namenszug Teil des Kunstwerks "Karo 2000" der Stuttgarter Künstlerin Simone Westerwinter werden. Außerdem würden erfolgreiche Vorschläge in der Mitarbeiterzeitschrift veröffentlicht und in die Personalakte aufgenommen. Qualitätssteigerung ist nicht immer quantifizierbar. Wie bei allen Dienstleistungsunternehmen liege auch bei der LBBW der Hauptanteil der Vorschläge im Bereich der nicht eindeutig berechenbaren Einsparungen. Fischer: "Der Nutzen einer Idee ist nicht immer in Mark und Pfennig zu berechnen. Für diese Fälle haben wir eine Matrix entwickelt, um die Bewertung standardisiert und möglichst gerecht vorzunehmen". In die Berechnung gingen dabei die Kriterien Kundennutzen/Image, Mitarbeiternutzen/Motivation, Wettbewerbsvorteil, Ertragsvorteil, Sonstiger Nutzen (zum Beispiel Umweltschutz) und Anwendungshäufigkeit ein.

Führungskräfte nutzen Entscheidungsfreiraum

Bei der LBBW seien Verbesserungsvorschläge, die das eigene Arbeitsumfeld betreffen ausdrücklich erwünscht. "Der Mitarbeiter ist Experte in seinem Aufgabengebiet. Unser Ziel ist es, gerade auch in diesem Bereich das vorhandene Ideenpotenzial zu fördern", erklärt Thomas Fischer. Eine zentrale Rolle spielten hierbei die Führungskräfte. Sie können Verbesserungen, die das eigene Arbeitsumfeld betreffen und Arbeitsprozesse optimieren, mit bis zu 1.000 Mark belohnen. Dieser Prozess der kontinuierlichen Verbesserung sei im immer härter werdenden Wettbewerb unter den Banken unbedingt erforderlich.

Die Führungskräfte der LBBW würden daher aufgefordert, Innovationen der Mitarbeiter aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Qualitätssteigerungen sollen jederzeit angestrebt werden. Verharren - auch auf einem qualitativ hohen Niveau - führe über kurz oder lang ins Abseits. LBBW-Vorstand Fischer stellt fest: "Die Mitarbeiter sind das Herz unseres Unternehmens. Wer kennt unsere Kunden, deren Wünsche und Anforderungen sowie die internen Arbeitsabläufe besser als unsere Mitarbeiter?" Ein gut fundiertes Ideenmanagement in Form des Betrieblichen Vorschlagswesens sei daher ein unverzichtbarer Bestandteil der Unternehmenskultur. - wagner

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