Archiv-News 16.02.2001

Kurzfristig abbröckelnde Kurse

Wenig Lust auf Aktien, so beschreibt der Commerzbank-Börsenbericht das Stimmungsbild am deutschen Aktienmarkt in dieser Woche. Zum einen dämpfte der US-Notenbankchef die Hoffnungen auf weitere aggressive Leitzinssenkungen, zum anderen signalisieren die jüngsten Einzelhandelsumsätze eine stärkere konjunkturelle Abkühlung auch in Deutschland, heißt es. Hinzu wären der schwache Start der Orange-Aktien und Spekulationen über einen Rücktritt des Telekom-Chefs gekommen, so dass insbesondere Telekommunikationstitel stark unter Druck gerieten. Positiv hätten sich hingegen DaimlerChrysler entwickelt, nachdem die eingeleiteten Umstrukturierungsmaßnahmen eine durchgreifende Ergebnisverbesserung bereits im Jahr 2002 erwarten lassen.

Die Kursrückgänge beim DAX in den letzten Tagen würden sicher durch die Schwäche einzelner "Indexschwergewichte" überzeichnet. Trotzdem spreche sowohl die Markttechnik als auch das Fehlen von Favoriten-Branchen und -Einzeltiteln für eine kurzfristig weiter abbröckelnde Tendenz. Erst wenn sich eine klare Richtung der konjunkturellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten und Euroland abzeichnet, würden Aktien wieder vermehrt Beachtung finden. Auf mittlere Sicht seien die Perspektiven viel versprechend: Die Unternehmensgewinne 2001 würdem weiter zweistellig wachsen, wozu auch Umstrukturierungen und die Steuerreform beitragen würden. Die erwartete Festigung des Euro auf eine Parität zum Dollar werde zwar die "Windfalls Profits" verringern, aber nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie nennenswert beeinträchtigen, zumal sich der Großteil des Exportgeschäfts im Euro-Raum abspiele. Schließlich werde die Rentenform den Bedarf an privater Vorsorge stärken, wobei ein Großteil dieser Gelder dem Aktienmarkt direkt oder indirekt über Investmentgesellschaften oder Versicherungen zufließen werde. Gute Kurschancen sieht die Commerzbank bei ausgewählten Titeln aus dem Technologiebereich wie Siemens sowie bei zyklischen Aktien wie Linde.

Nachlassende Rezessionsängste in den Vereinigten Staaten und ein schwächerer Euro hätten für eine leicht rückläufige Tendenz am europäischen Rentenmarkt gesorgt. Erwartungsgemäß habe die Europäische Zentralbank die Leitzinsen bestätigt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bewege sich unverändert um 4,80%. Die jüngste Rede des US-Notenbankchefs hätte signalisiert, dass nur noch weitere Zinssenkungen in den USA im ersten Halbjahr zu erwarten wären. Gleichzeitig machen der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Indikatoren in Euroland und die nachlassende Geldmengendynamik eine leichte Senkung der Leitzinsen in Euroland wahrscheinlicher. Dies sollte in den nächsten Monaten die Kapitalmarktzinsen etwa auf dem derzeitigen Niveau halten. Im Zuge steigender Zinsen in den USA würden später die Renditen in Euroland wieder moderat anziehen. Bei Neuanlagen stünden Zinstitel im mittleren Laufzeitenbereich und hier aus Renditegründen Pfandbriefe und Inhaberschuldverschreibungen im Vordergrund. - wag

Das schrieb die Commerzbank in ihrem Bericht aus der vergangenen Woche:
Erste Gewinnrezession in den USA seit 1991 vom 9.2. 2001

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