Archiv-News 16.01.2004
Kreditkarten von Fussballvereinen stimulieren Konsumlust der Fans
Eingefleischte Fussballanhänger können seit geraumer Zeit ihre Fanartikel mit der Kreditkarte ihres Lieblingsvereines kaufen. Mastercard und Visa nutzen die emotionale Verbundenheit der Fußballfans mit ihrem Verein und geben spezielle Karten heraus. Neben den knalligen Clubfarben locken Zusatzleistungen wie Stadionversicherungen oder Sonderkontingente bei Eintrittskarten.
Was sich findige Banker und profitorientierte Fussballmanager mit der Fussball-Club-Karte ausgedacht haben, habe Hand und vor allem Fuß, urteilen Bernd Nolte, Roger David Nolting und Tobias Lücke vom Lehrstuhl für Bank- und Finanzwirtschaft der Universität. Im ohnehin expandierenden Kreditkartenmarkt - zwischen 1990 und 2002 hatte sich die Zahl der Kreditkarten in Deutschland vervierfacht - haben sich sechs Fußballclubs der Ersten und zwei der Zweiten Bundesliga mit Kreditkartenfirmen zusammengetan und eigene Motto-Karten aufgelegt. Drei weitere Clubs führten derzeit Verhandlungen zur Auflage solcher Karten, zwei werden hingegen ihre Verträge laut Schätzungen des Deutschen Fußballbundes (DFB) nicht verlängern. In der Zweiten Bundesliga haben nur die beiden ehemaligen Erst-Ligisten, der Karlsruher SC und der 1. FC Nürnberg, Club-Karten im Umlauf. Sie Karten kosten zwischen 15 und 35 Euro und liegen damit trotz der angebotenen Zusatzleistungen im üblichen Preisrahmen.
Bei der Werbestrategie des sogenannten Co-Branding, der Verbindung also von zwei geläufigen Markennamen, gingen Fußball und Geld eine profitable Symbiose ein, finden die Lüneburger Wissenschaftler. Mit dem bunten Design auf der Karte werde ein Image transportiert: Der Inhaber einer solchen "Affinity-Karte" bekenne bei jeder Zahlung buchstäblich Farbe - nämlich die seines Vereines - und das beflügele den Nutzer. So liege der Umsatz der von Visa herausgegebenen Fußball-Kreditkarten tatsächlich um 30% über dem durchschnittlichen Umsatz der Visa-Classic-Cards. Der Karteninhaber habe beim häufigen Zücken der Karte das Gefühl, seinen Verein nicht nur ideell zu unterstützen. Der Präsident des TSV 1860 München, Karl Heinz Wildmoser, etwa werbe offensiv damit, dass durch die Nutzung der Löwencard automatisch der Verein gesponsort werde. Und in der Tat hätten die Vereine ein großes Interesse daran, ihre Kassen mit den Provisionserträgen aus dem Kreditkarten-Geschäft beständig zu füllen, so Nolte, Nolting und Lücke.
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