Archiv-News 09.02.2001
Kleine Volksbank spielt erste Geige im Direktbankkonzert
Das Direktbankgeschäft in Deutschland ist hart. Zum einen erschwert der Charakter des typischen Direktbankkunden den Alltag der virtuellen Banken. Denn seine wesentlichen Eigenschaften lassen sich am besten mit anspruchsvoll und wechselfreudig beschreiben. Schließlich sind Direktbankkunden von den Filialbanken gewechselt, weil sie entweder mit dem Service oder den Öffnungszeiten oder aber mit dem für Privatkunden oft wichtigsten Kriterium unzufrieden waren - den Konditionen. Um Kunden zu gewinnen und zu halten, müssen die Direktbanken nun also in erster Linie sehr gute Konditionen bieten und sich demzufolge finanziell weit aus dem Fenster lehnen. Neben den Konditionen für die Kunden muss zudem in Personal und technische Infrastruktur investiert werden - Erreichbarkeit per Telefon und Internet gehören heute zum Standard. Es liegt nun der Schluss nahe, nur große und finanziell starke Unternehmen könnten diese Belastungen meistern und sich bis zur Konsolidierung der Branche etablieren! Doch weit gefehlt: Eine kleine thüringische Volksbank tritt den Beweis des Gegenteils an.
Bereits im Jahre 1996 hat die Volksbank Eisenberg ihre eigene Direktbank gegründet, um Kunden in ganz Deutschland zu betreuen. Ein ambitioniertes Ziel, für die in der Nähe von Jena gelegene kleine Volksbank, die zusammen mit ihrer Direktbank auf gerade mal 50 Mitarbeiter und rund 19.000 Kunden kommt. In der Statistik der Genossenschaftsbanken rangierten die Thüringer per 31. Dezember 1999 mit einer Bilanzsumme von rund 200 Mill. DM auf Platz 1178! Zum Vergleich: Die Frankfurter Volksbank auf Platz fünf wies zur selben Zeit rund 8.500 Mill. DM als Bilanzsumme aus. Doch Größe ist eben nicht entscheidend, mag sich die Volksbank gedacht haben. Bis jetzt konnte "Die kleinste Direktbank Deutschlands" über 1.500 Kunden und eine Bilanzsumme von 30 Millionen DM an sich binden.
Den Großteil des Geschäfts generiert die Direktbank im Segment Tagesgeld, in dem sie in Deutschland in puncto Konditionen zu den führenden Anbietern zählt. In dieser Nische scheinen sich die Thüringer überaus wohl zu fühlen, was auch die einzigartige Kontenvielfalt beweist: Allein sechs Tagesgeldkonten stehen zur Auswahl. Die Palette reicht dabei von Firmenkunde über ein online geführtes Konto bis hin zum Sparen mit sozialem Nebeneffekt. Der Anleger spart nämlich bei drei Tagesgeldkonten nicht nur für sich selbst, sondern auch für soziale Projekte, zum Beispiel für die "Babyklappe" in Hamburg oder für das Waisenhaus "Königin Maria Luisa" in Plovdiv (Bulgarien). Mit dem dritten Konto dieser Art wird der Bau eines Artenschutzturmes zum Schutz bedrohter Vogelarten in der Nähe von Eisenberg unterstützt, erklärte die Volksbank.
In puncto Service braucht sich die kleine Bank im Übrigen auch nicht zu verstecken. Das Telefon ist von Montag bis Samstag in der Zeit von 6.30 - 23.00 Uhr und sogar sonntags von 10.00 - 18.00 Uhr besetzt, und e -mails werden werktags innerhalb von 24 Stunden beantwortet, verspricht die Bank. Bei Beschwerden wird eine umgehende Problemlösung in Aussicht gestellt, bei der der Berater auch gerne zurückrufe. Das Informationsunterlagen postwendend, spätestens aber innerhalb von zwei Arbeitstagen verschickt werden, versteht sich dabei für die Volksbanker aus Eisenberg von selbst. - gra
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