Archiv-News 18.01.2001
Kein Handlungsbedarf für die EZB
Bei der morgigen EZB-Ratssitzung wird allgemein noch nicht mit einer Änderung des geldpolitischen Kurses gerechnet. So die Ansicht der Volkswirte der Dresdner Bank. Aber auch den Blick weiter nach vorne gerichtet, gibt es nach Ansicht der EZB-Beobachterin Claudia Henke gute Gründe, die gegen eine Zinssenkung im Euro-Raum sprechen. Die zunehmend verbreitete Erwartung einer Rückführung des Mindestbietungssatzes sei zwar durchaus nachvollziehbar: Angesichts des überraschend frühen sowie deutlichen Zinsschritts in den USA und absehbarer folgender Lockerungen durch die Fed könnte die Europäische Zentralbank unter Druck geraten, nachzuziehen. Bezüglich der ersten Säule ihrer geldpolitischen Strategie bewege sich das Geldmengenwachstum weiter auf den Referenzwert zu. Den zweiten Strategie-Pfeiler betreffend, minderten gesunken Ölpreise zusammen mit dem stärkeren Euro mögliche Inflationsrisiken, heißt es.
Henke: "Dennoch legt vor alle das nach wie vor günstige Konjunkturbild für den Euro-Raum eine Geldpolitik der ruhigen Hand nahe. Hierbei sind insbesondere expansive Impulse seitens der Finanzpolitik in einigen EWU-Ländern nicht außer Acht zu lassen.“ Auf diese expansive Finanzpolitik sowie die Lohnentwicklung verweise auch die EZB in ihrem jüngsten Monatsbericht als potentielle Quellen verbleibender Risiken für die Preisstabilität.
Solange sich in den USA keine stärkere Abkühlung als eine auf das erste Halbjahr 2001 beschränkte unsanfte Landung abzeichnet, sieht die Dresdner-Bank-Volkswirtin für die EZB keinen Handlungsbedarf. Vielmehr könnte aus einer geldpolitischen Lockerung folgen, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen früher wieder anheben müsste als dies ansonsten der Fall wäre. Im April 1999 nahm sie eine Zinssenkung vor, deren relativ baldige Rücknahme absehbar schien. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des jetzigen Preisumfeldes dürfte es nun allerdings im Interesse der EZB liegen, ihre Stabilitätsorientierung einmal mehr zu unterstreichen, heißt es weiter. - wag
© 2000-2012 Gelon.de