Archiv-News 29.01.2001
Greenspan sorgt für Irritationen
Weiter erholt zeigte sich der deutsche Aktienmarkt in dieser Woche. Wie aus dem wöchentlich erscheinenden Börsenbericht der Commerzbank weiter hervorgeht, wurden der gute Quartalsbericht von SAP, Aktienrückkaufprogramme bei MAN sowie die Vertragsunterzeichnung für den Transrapid in China als willkommenes Signal für Käufe genommen. Vor diesem Hintergrund fanden die enttäuschenden Telekom-Zahlen nur kurzzeitig Beachtung, heißt es. Zum Wochenschluss hätte die Rede des amerikanischen Notenbankchefs Greenspan, der nur noch ein US-Wachstum im Null-Bereich erwarte, für Irritationen gesorgt.
An den Börsen gewinne die positive Grundstimmung immer mehr Oberwasser, so dass gute Unternehmensmeldungen vom Markt honoriert und selbst enttäuschende Berichte nach Hoffnungszeichen abgeklopft würden. Diese psychologische Kehrtwende stimme zuversichtlich für die weitere Entwicklung, zumal aus fundamentaler Sicht vieles für steigende Kurse spreche. So hätten wegen der vorangegangenen starken Korrekturphase die Aktien wieder attraktive Bewertungsrelationen erreicht, die Kapitalmarktzinsen würden allenfalls verhalten steigen und von den US-Börsen seien wohl keine weiteren spürbaren Belastungen zu erwarten. Zusätzlicher Schub sollte von den hohen Liquiditätsreserven bei Privaten und Institutionellen ausgehen. Alles in allem erwartet die Commerzbank deshalb auf Jahressicht einen DAX im Bereich um 8100 Punkte. Bei Käufen sollten unbedingt fundamentale Faktoren im Vordergrund stehen. Gute Chancen sehe die Bank insbesondere bei Qualitätstiteln aus dem Technologiebereich wie Siemens. Auch zyklische Aktien wie Linde bieten günstige Kaufgelegenheiten, da ihre Kurse eine harte konjunkturelle Landung in den USA berücksichtigen, heißt es. Fondslösungen, die bevorzugt in deutsche Qualitätstitel investieren, seien für mittelfristig orientierte Anleger eine interessante Variante.
Schwächer hätte der Rentenmarkt tendiert. Zum einen hätten Stimmen aus EZB sowie Bundesbank den Hoffnungen auf Leitzinssenkungen in Euroland eine vorläufige Absage erteilt. Zudem verunsicherten die über den Erwartungen liegende deutsche Inflationsrate im Januar und der wieder rückläufige Euro, so die Commerzbank. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte den Angaben zufolge auf 4,85%. Auch in den nächsten Monaten seien leicht anziehende Renditen zu erwarten. Die Wirtschaftsindikatoren für Euroland signalisieren zwar einen derzeit eher schleppenden Konjunkturverlauf, aber gleichzeitig eine Fortsetzung des Aufschwungs bei zunehmendem Auslastungsgrad der Kapazitäten, so die Einscchätzung der Commerzbank-Analysten. Erst wenn im Zuge einer Erholung der amerikanischen Wirtschaft die US-Renditen erkennbar nach oben tendieren, werden die Kapitalmarktzinsen in Euroland die 5%-Marke wieder überschreiten. Bei Käufen bleiben Anleihen im mittleren Laufzeitenbereich empfehlenswert, wobei unter Renditegesichtspunkten Inhaberschuldverschreibungen von Banken besonders attraktiv wären. - wag
Hier finden Sie den Commerzbank-Börsenbericht der letzten Woche:
Deutsche Aktien tendieren dank US-Märkten freundlich 19/01/2001
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