Archiv-News 22.01.2001

GoingPublic: HypoVereinsbank schnellster "Geldvernichter 2000"

Das GoingPublic Magazin hat zusammen mit der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) zum zweiten Mal die "IPO-Zitrone" verliehen. Mit dieser "Auszeichnung" werden diejenigen Konsortialbanken bedacht, die im vergangenen Jahr besonders unrühmliche Börsengänge zu verantworten hatten, so das Magazin. Für 2000 gehe der Preis an folgende Emissionshäuser: Robertson Stephens International, Merck Finck & Co. sowie die HypoVereinsbank.

Durch besondere Kurzsichtigkeit bei der Prüfung des IPO-Kandidaten hätte sich die Konsortialbank Robertson Stephens ausgezeichnet. Die von ihr organisierte Emission von Letsbuyit.com wurde für die Anleger zum Desaster, heißt es. Ursprünglich sollten die Aktien zum Preis von 15 Euro zugeteilt werden. Aufgrund des "schwachen Marktumfelds" wäre der Börsengang jedoch mehrmals verschoben und der Emissionspreis auf 3,50 Euro herabgesetzt worden. Weniger als sechs Monate nach dem Börsengang, der am 21. Juli stattfand, mußte das Unternehmen den operativen Betrieb einstellen und Insolvenz beantragen, so GoingPublic. Der inzwischen abgelöste Vorstand allerdings habe sich für das Jahr 2000 durch eine Vertragsabschlußprämie von 3,6 Mio. Euro und Bezüge von 4,7 Mio. Euro finanziell bestens abgesichert.

Auch das Bankhaus Merck Finck & Co. war nach Angaben der Finanzpublikation bei der Beurteilung der Allgeier Computer AG wenig kritisch. Das seit über 15 Jahren bestehende Unternehmen sollte nach dem Börsengang Umsatz und Gewinn explosionsartig steigern. Drei Monate nach dem IPO am 11. Juli hätte das Unternehmen mitgeteilt, daß man die in Aussicht gestellten Zahlen deutlich verfehlen würden. Die zu 22,50 Euro ausgegebenen Aktien stürzten den Angaben zufolge bis auf 4 Euro ab. Die plötzliche Erkenntnis über "in keiner Form erfüllte hohe Erwartungen an das e-Business" seien als Begründung wenig glaubhaft. Wahrscheinlicher sei, daß der Unternehmensgründer Robert Allgeier die geschönte Unternehmensdarstellung bewusst inszenierte, um einen möglichst hohen Preis für die aus seinem Besitz verkauften Anteile zu erzielen. Rund 5,6 Mio. Euro wären in seine Privatschatulle geflossen.

Schnellster Geldvernichter 2000 wäre die HypoVereinsbank mit der Emission von Ad Pepper gewesen. Der Börsengang fand am 9. Oktober statt. Nach nur 36 Börsentagen hätte die Ad Pepper eingeräumt, daß die zum IPO gemachten Prognosen falsch waren. Daß das nun erwartete wesentlich schlechtere Szenario nicht schon beim Börsengang bekannt oder absehbar gewesen wäre, sei unwahrscheinlich. In der Emissionsstudie der HypoVereinsbank, einen Monat vor dem IPO fertiggestellt, wäre ein Vergleiche mit bereits notierten Unternehmen der Branche gezogen worden, die einen Ausgabepreis von 17 Euro rechtfertigen sollten. Während der Zeichnungsfrist waren diese Vergleichsunternehmen jedoch aufgrund der ungünstigen Marktsituation schon erheblich im Wert gefallen, so heißt es weiter. Trotzdem hätte die HypoVereinsbank an der veralteten Unternehmensdarstellung festgehalten. Die mit 17 Euro ausgegebenen Aktien wäre dann bis auf 2 Euro gefallen. Der ausführliche Bericht erscheint in der Februarausgabe des GoingPublic Magazins, die ab Mittwoch, den 24. Januar, am Kiosk erhältlich ist. - wag

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