Archiv-News 05.02.2001

Commerzbank sieht gute Chance für europäische Aktien

Wieder einmal waren in der vergangenen Woche die Blicke am deutschen Aktienmarkt fest auf die Entwicklung in den USA gerichtet. Dort hat sich nach den jüngsten Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt und den Verbrauchervertrauen-Index der Eindruck bestätigt, dass sich die US-Wirtschaft stärker als erwartet abkühlt. Selbst als die US-Notenbank erwartungsgemäß die Leitzinsen um weitere 50 Basispunkte senkte, blieb der Markt in Reserve, fast die Commerzbank in ihrem regelmäßig erscheinenden Börsenbericht zusammen. Bei insgesamt ruhigen Umsätzen sorgten lediglich einzelne Unternehmensergebnisse wie bei Siemens für Sonderbewegungen. Während der DAX im Wochenvergleich leicht zulegte, litt der Nemax unter der Schwäche an der Nasdaq und dem Einbruch von Intershop.

Nach den Kursavancen in den letzten Wochen von immerhin 7% beim DAX und sogar 30% beim Nemax ist nach Ansicht der Commerzbank Strategen der Markt in eine Seitwärtsbewegung eingemündet. Vor allem die sich deutlich abkühlende US-Wirtschaft mahne die Anleger zunächst zur Vorsicht. Während die Volkswirte der Bank für die USA nur noch mit einem Wachstum von 1,8% in 2001 rechnen, sollte die Wirtschaft in Euroland mit 2,8% weiter solide wachsen. In Deutschland werde die Inlandskonjunktur zudem durch finanzpolitische Maßnahmen und steigende Beschäftigungszahlen zusätzlichen Schwung erhalten. Gleichzeitig trügen die Erholung des Euro sowie ermäßigte Rohölpreise zu einer Kostenentlastung bei den Unternehmen bei. Alles in allem mache diese gegensätzliche Entwicklung der Konjunktur europäische Aktien vergleichsweise attraktiv. Vorausgesetzt, die US-Wirtschaft verliert nicht noch stärker an Boden, wird deshalb der deutsche Aktienmarkt bald wieder nach oben tendieren, sind sich die Analysten der Bank sicher. Ein DAX im Bereich um 8100 Punkte liege somit auf Jahressicht durchaus im Rahmen des Möglichen. Bei Neuengagements sollten unbedingt fundamentale Faktoren Beachtung finden. Gute Kurschancen sieht die Commerzbank bei Qualitätstiteln aus dem Technologiebereich wie Siemens sowie bei zyklischen Aktien wie Linde. Alternativ böten sich auch Fondslösungen wie der Adifonds der konzerneigenen Kapitalanlagegesellschaft an.

Parallel zum US-Markt tendierte auch der Euro-Rentenmarkt wieder freundlicher. Die EZB habe erwartungsgemäß ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf unter 4,80% zurück. Solange die Auswirkungen der US-Konjunkturschwäche auf Euroland sich in Grenzen hielten und die EZB unverändert die Inflationsrisiken sehe, sei eine Leitzinssenkung in Euroland für die Frankfurter Bank wenig wahrscheinlich. Für den Kapitalmarkt erwarten die Commerzbank-Volkswirte auf Jahressicht leicht steigende Kapitalmarktzinsen. Bei Neuanlagen blieben Zinstitel mit mittleren Laufzeiten erste Wahl, wobei unter Renditegesichtspunkten Pfandbriefe und Inhaberschuldverschreibungen von Banken besonders attraktiv seien. Auch Aktienanleihen und die hauseigenen Aktienanleihen "plus" mit doppelter "Absicherung" seien für risikobewusste Anleger interessant. - gra

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