Archiv-News 05.01.2001

Commerzbank: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Gleich am ersten Handelstag des neuen Jahres legte die Börse einen Fehlstart hin. Gewinnwarnungen beim früheren Börsenliebling Intershop am Neujahrstag und schwache Vorgaben aus Übersee, verbunden mit geringen Umsätzen und hoher Nervosität, hatten zu starken Kursverlusten am deutschen Aktienmarkt geführt. Zur Wochenmitte führte die für alle Marktteilnehmer überraschende Leitzinssenkung in den USA zu einem kurzzeitigen Stimmungswechsel. Da die Höchstkurse infolge einsetzender Gewinnmitnahmen nicht gehalten werden konnten, schlossen der DAX und noch deutlicher der Nemax im Wochenvergleich immer noch mit einem Minus, konstatiert die Commerzbank in ihrem wöchentlichen Börsenbericht.

Die Bank hält es mit der Bauernregel: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Demzufolge löse eine Leitzinssenkung in den USA auch sicherlich keine abrupte Richtungsänderung an den Weltaktienmärkten aus. Nicht eingehaltene Gewinnerwartungen bei Unternehmen werden weiter für Verunsicherung sorgen, vermutet die Commerzbank. Doch zeige die jetzige Entscheidung, dass sich die amerikanische Notenbank einer harten Landung der US-Konjunktur frühzeitig entgegenstemmt. Eine Stabilisierung der US-Wirtschaft sei eine wichtige Voraussetzung für die Erholung an den internationalen Aktienmärkten. Dafür stehen nach Meinung der Bank die Zeichen insbesondere in Deutschland gut, zumal hier die konjunkturellen Rahmenbedingungen und das Gewinnwachstum der Unternehmen besser seien als in den Vereinigten Staaten. Die Rentenreform, bei der die private Vorsorge einen höheren Stellenwert einnimmt, werde für zusätzlichen Nachfrageschub an den Finanzmärken sorgen. Davon sollten verstärkt Aktien profitieren; sie hätten nämlich durch die vorangegangenen Kursverluste ein ähnliches Renditeniveau erreicht wie Anleihen - und zwar ohne Berücksichtigung möglicher Kursgewinne, fasst das Kreditinstitut zusammen. Gleichzeitig würde die Stabilisierung des Euro europäische Aktien für internationale Investoren wieder attraktiver machen. Wie bereits berichtet, erwarten die Analysten der Commerzbank auf Jahressicht einen DAX im Bereich um 8100 Punkte. Gute Chancen sieht die Bank vor allem bei stark gebeutelten Technologieaktien wie beispielsweise Siemens. Als Alternativen böten sich AMB, Stinnes sowie am europäischen Markt Philips an.

Unverändert freundlich präsentierten sich die Rentenmärkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gab weiter in Richtung 4,7 Prozent nach. Zwar hat die US-Notenbank die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, doch sah die EZB aufgrund der potenziellen Preisgefahren in Euroland keinen Anlass, sich dieser Maßnahme anzuschließen. Vor allem die rückläufigen Ölpreise und die Aufwertung des Euro dürften nach Einschätzung der Commerzbank die Inflationsgefahren zunächst im Rahmen halten. Insgesamt erwartet das Frankfurter Kreditinstitut für 2001 nur noch einen leichten Anstieg der Renditen in Richtung 5 1/4 Prozent. Der Anlageschwerpunkt sollte im Laufzeitenbereich zwischen drei und fünf Jahren liegen. Dabei seien Pfandbriefe zu bevorzugen. Auch Aktienanleihen werden unverändert für risikobewusste Anleger als attraktiv angesehen. - gra

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