Archiv-News 16.03.2001

Commerzbank dämpft Wachstumsaussichten für Deutschland

Die Zuversicht auf steigende Kurse war nur von kurzer Dauer. Gewinnwarnungen einiger Internet- und Kommunikationsunternehmen sowie die Furcht vor Bankenproblemen in Japan lösten eine erneute Verkaufswelle an den US-Märkten aus, die auch auf den deutschen Aktienmarkt kräftig ausstrahlte. Der DAX rutschte um 7%, der Nemax um über 10% ab. Die Meldung, dass Nokia seine Gewinnmarge ausdehnen konnte, sowie Erholungsansätze an der japanischen Börse sorgten dann für eine kurzfristige Stabilisierung. Das ist das Resümee der Commerzbank zur abgelaufenen Börsenwoche.

Der Pessimismus hat die Börse wieder voll im Griff: Negative Unternehmensmeldungen lösen massive Kurskorrekturen aus, positive Meldungen finden meist wenig Beachtung. Zudem erwartet die Commerzbank nun auch in Deutschland eine deutliche Korrektur der Wachstumsprognosen. In Deutschland wird ihrer Einschätzung nach das Bruttoinlandsprodukt in 2001 nur noch um 2% wachsen. Im Mittelpunkt aber stehe die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Erst wenn dort die Welle der Gewinnwarnungen ausläuft, könne es zu einem Kurswechsel an den Börsen kommen. Bis dahin wird die Volatilität an den Märkten hoch bleiben, denn bereits geringe Kurserholungen werden immer wieder zu Gewinnmitnahmen genutzt, ist sich die Bank sicher. Die augenblickliche depressive Stimmung ändere aber nichts an der zuversichtlichen Markteinschätzung der Commerzbank auf mittlere Sicht. So seien fundamental viele deutsche Aktien deutlich unterbewertet, trotz möglicher Gewinnkorrekturen könne bei vielen Unternehmen immer noch mit einem kräftigen Wachstum gerechnet werden, heißt es. Die attraktive Bewertung des Euro, niedrige Kapitalmarktzinsen und die eingeleiteten Restrukturierungen bei vielen Unternehmen stärken diese Zuversicht. Die hohen Liquiditätsbestände bei Privaten und Institutionellen sollten dann die nötige "Munition" für eine Kurserholung liefern. In der augenblicklichen Situation empfiehlt die Commerzbank privaten Anlegern besonnen zu bleiben und an vorsichtige Nachkäufe bei Qualitätstiteln wie Siemens, Linde, AMB und SGL Carbon zu denken. Eine interessante Alternative seien Discountzertifikate auf deutsche Aktien.

Der europäische Rentenmarkt profitierte in dieser Woche von der Schwäche an den Aktienmärkten. Die enttäuschenden Einzelhandelszahlen in den Vereinigten Staaten machen für die Commerzbank eine kräftige Zinssenkung der Notenbank in der kommenden Woche immer wahrscheinlicher. Demgegenüber sei die Bestätigung der Leitzinsen durch die EZB erwartet worden. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel unter 4,7%. Einem noch stärkeren Zinsrückgang stand letztlich die ausgeprägte Schwäche des Euro entgegen, der wieder unter die Marke von 0,90 Dollar rutschte. Auch in den nächsten Wochen sollten sich die Kapitalmarktzinsen seitwärts bewegen. Erst im Zuge des erwarteten Anstiegs der US-Zinsen im zweiten Halbjahr werden die Renditen in Euroland wieder leicht anziehen und die Marke von 5% überschreiten, schätzt die Commerzbank. Bei Neuanlagen blieben unverändert Anleihen im Laufzeitbereich von drei bis fünf Jahren mit Schwerpunkt Pfandbriefe und Bankschuldverschreibungen interessant. - gra

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