Archiv-News 09.02.2001

BHF Bank bekräftigt Anlageurteile für Online-Broker

Die BHF Bank führt die Aktien der comdirect bank AG und der Direkt Anlage Bank AG (DAB) unverändert auf ihrer Verkaufsliste. Die ConSors Discountbroker AG wird weiterhin mit "halten" eingestuft. Als Kursziele nennt die Bank für comdirect 19 Euro, für die DAB 31 Euro und für ConSors 68 Euro. Zugleich wiesen die Analysten aber darauf hin, eine endgültige Einschätzung der Broker erst nach der Veröffentlichung der GuV Zahlen treffen zu können. Darüber hinaus sieht die Bank die Branchenentwicklung eher skeptisch. Sie geht sogar davon aus, "ihre Gewinnschätzungen im Laufe des Jahres eher nach unten als nach oben anzupassen".

Nach Einschätzung der Analysten verfügt comdirect über eine "nicht klar fokussierte Strategie". Zudem werde sie vom Kunden nicht als Spezialist empfunden. Der Nimbus, der Broker mit erfolgversprechenden und vielen Neuemissionen zu sein, der nach Einschätzung der BHF Bank maßgeblich das Kundenwachstum im ersten Halbjahr 2000 ankurbelte, sei mittlerweile durch die mit dem schwache Marktumfeld einhergehende Emissionsebbe sowie diverse Emissionsflops verflogen. Ein beständigeres Image hängt dagegen an den beiden Konkurrenten. ConSors stehe insbesondere bei den besonders aktiven Kunden hoch im Kurs, die DAB ziehe Kunden aufgrund ihres breiten Produktangebotes und der umfangreichen Fondsauswahl an. So schätzt denn auch die BHF Bank das Kundenwachstum bei der comdirect als besonders schwierig ein: "Eine (nach unten) Revision der Kundenschätzung erscheint zum jetzigen Zeitpunkt für die comdirect am wahrscheinlichsten". Für die Quickborner werden zum Jahresende 2001 rund 850.000 Depotkunden erwartet (Ende 2000: 539.000). Bei ConSors werden 800.000 Kunden (526.000) veranschlagt, für die DAB etwa 660.000 (419.000).

Im Hinblick auf die noch vorzulegenden GuV Zahlen erwarten die Analysten bei ConSors und DAB insbesondere beim Provisionsüberschuss im vierten Quartal eine eher rückläufige Entwicklung. Denn die Transaktionsprovision berechnet sich dort prozentual vom Ordervolumen. Rückläufigen Kundengelder führten somit zu tendenziell geringeren Orderhöhen. comdirect dürfte wegen ihres Fixpreismodells "nur bedingt von diesem Effekt" betroffen sein, heißt es.

Zusammenfassend wird für comdirect die größte Gefahr in der Kundengewinnung gesehen, die zum Jahresende 2000 den Quickborner enorme Probleme bereitete. Zudem ist der Broker im europäischen Ausland nur sehr schwach vertreten. Auf der DAB könnte in einem anhaltend schwachen Marktumfeld der hohe Abschreibungsbedarf (etwa 450 Mill. Euro) auf die Self Trade Akquisition lasten. Der Börsenwert von ConSors leide unter der als risikoreich empfundene Expansion in den Investmentbereich, heißt es von den Analysten.

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