Archiv-News 06.02.2001

Berliner Börse gewährt Einblick ins Orderbuch

Seit Februar 2001 können sich Anleger bei der Berliner Börse noch genauer über die Marktlage von einzelnen Wertpapieren informieren. Der Privatanleger erhält nämlich unter www.berlinerboerse.de einen detaillierten Einblick in das Orderbuch der Hauptstadtbörse und damit wichtige Daten zu den Wertpapieraufträgen, die nach den billigsten Kaufgeboten und besten Verkaufsangeboten im System gespeichert vorliegen. Einsehbar sind sowohl Limit als auch Volumen dieser Orders. Dieser bisher ausschließlich dem Makler vorbehaltenen Einblick versetzt den Privatanleger nun in die Lage, seine Wertpapierorders unmittelbar an die aktuelle Marktlage angepasst zu erteilen.

Für Anleger, die zudem noch über ihren Online-Broker mit der Berliner Börse verbunden sind, ergeben sich weitere Vorteile: Per Mausklick auf die entsprechende Order oder auf den vom Makler gestellten Kurs, kommt sogar sofort das Geschäft zustande. Derzeit ist diese Handelsvariante allerdings den Kunden von ConSors und 1822 direkt, dem Online- Broker der Frankfurter Sparkasse von 1822, vorbehalten. Vereinbarungen mit weiteren Brokern konnten nach Aussage der Berliner Börse bisher nicht getroffen werden.

Nachteilig bei den Verhandlungen könnte sich die Beteiligung von ConSors an der Berliner Effektengesellschaft AG ausgewirkt haben. Denn immerhin fungiert die Berliner Effektengesellschaft für den Großteil der an der Berliner Börse gelisteten Aktiengesellschaften als Makler und hat damit an diesem Börsenplatz eine herausragende Marktstellung inne. Erteilten beispielsweise Kunden von comdirect oder der Direkt Anlage Bank über dieses Orderbuch ihre Wertpapieraufträge für einen Titel des Berliner Freiverkehrs, schlagen sich die Maklergebühren der Berliner Effektengesellschaft nieder. Und die Bedeutung des Segments Freiverkehr der Berliner Börse ist nicht zu unterschätzen, denn nach deren Angaben sind dort alle Gesellschaften der US-Wachstumsbörse NASDAQ sowie sehr viele osteuropäische und russische Werte notiert.

Die bisher vom Markt zurückhaltend bewerteten Pläne von ConSors, eine Privatanlegerbörse zu etablieren, sind mit den gewährten Einblicken ins Orderbuch einen großen Schritt vorangekommen. Das in Deutschland bisher einzigartige offene Orderbuch könnte zugleich Impulse für das künftige Kundenwachstum der Nürnberger geben, das sich im vierten Quartal 2000 deutlich verlangsamt hatte. Mehr noch, etabliert sich diese Handelsvariante, könnten die Zuwächse bei ConSors direkt zu Lasten der Konkurrenten gehen, die nach Einschätzung von Experten ähnliche Projekte bestenfalls in der Schublade haben. - gra

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