Archiv-News 17.01.2001

Aktienmärkte: Zinssenkung verhindert weitere Korrekturen

Nachdem an den internationalen Leitbörsen im abgelaufenen Jahr fast ausnahmslos Einbußen zu verkraften waren und insbesondere im Technologiesektor infolge massiver Verluste tiefe Ernüchterung eingekehrt ist, wäre ein freundlicher Börsenauftakt im Januar eine handfeste Überraschung gewesen. Wie die Landesbank Rheinland Pfalz (LRP) mitteilt, konnten aber immerhin weitere Abwärtskorrekturen durch den vom Zeitpunkt und Ausmaß her unerwarteten Zinssenkungsschritt der amerikanischen Notenbank vom 3. Januar verhindert werden. Das entschlossene Gegensteuern der Fed zur Überwindung rezessiver Tendenzen in der US-Wirtschaft sollte die Bodenbildung an den weltweiten Märkten in den kommenden Wochen begünstigen.

Die deutliche Reduktion des US-Geldmarkt- und Diskontsatzes um jeweils 0,5% nähre den Verdacht, dass sich die Konjunkturaussichten in den Vereinigten Staaten zuletzt wesentlich dramatischer verschlechtert haben als bisher unterstellt. Ein Gemisch aus vorangegangenen Zinserhöhungen sowie gestiegenen Öl- und Dollarnotierungen habe offensichtlich zu einer massiven Abbremsung der Auftriebskräfte geführt. Da weitere Lockerungsschritte der Fed, vermutlich schon am Monatsende um nochmals 0,5%, als ausgemachte Sache gelten und fiskalische Impulse durch die neue US-Regierung zu erwarten sind, dürfte die Gefahr des Abgleitens in die Rezession gebannt werden (vermutliche BIP-Expansion von rund 2 Prozent in 2001), so heißt es. Allerdings würden die stimulierenden Zinseffekte erst zeitverzögert in der 2. Jahreshälfte Wirkung entfalten. Zunächst aber sollten weitere Hiobsbotschaften aus dem US-Unternehmenslager in der anlaufenden Berichtssaison und die Veröffentlichung schwacher gesamtwirtschaftlicher Daten an der Wall Street immer wieder für Turbulenzen sorgen.

Angesichts der transatlantischen und weltwirtschaftlichen Wachstumsverlangsamung habe sich auch Westeuropa auf gedämpftere Zuwachsraten einzustellen. Vor allem die in den maßgeblichen Staaten Eurolands wirksam werdenden Steuersenkungen stellen jedoch ein positives Gegengewicht dar, heißt es weiter. Für das Gebiet der Währungsunion werde daher für 2001 ein nur gemäßigter Rückgang der BIP-Expansionsrate erwartet (3 nach 3,4%). Auch Deutschland bleibe voraussichtlich mit 2,5 bis 2,8% Wachstum (nach 3,1%) klar auf Expansionskurs.

Mit Blick auf den sich zumindest im 1. Halbjahr abzeichnenden Wachstumsvorsprung Europas gegenüber den Vereinigten Staaten kann der Euro weiter moderat an Stärke gewinnen. Dies dürfte zwar die Gewinnentwicklung der hiesigen Exportwirtschaft beeinträchtigen, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit jedoch kaum in Frage stellen. Die veränderte Währungskonstellation ist geeignet, das Interesse internationaler Investoren an Europa wieder zu beleben, zumal hier die Ergebnisperspektiven der Unternehmen per saldo vergleichsweise noch immer günstig bleiben. Mittelfristig disponierende Anleger sollten die derzeitige Unsicherheitsphase zu vorsichtigen Bestandsaufstockungen nutzen. Dafür empfiehlt die LRP Siemens, Bayer, Allianz, Deutsche Post, DePfa, RWE, Karstadt, Linde, Singulus und Thiel. - wag

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