Finanzen-News 02.11.2011
Leere Taschen
Was passiert, wenn ein Staat pleite ist
Von Staaten, die nahezu pleite sind, hört und liest man in letzer Zeit viel. Doch was genau passiert, wenn ein Staat nicht mehr zahlungsfähig ist, weiß nicht jeder. Der Hauptunterschied zu einer Privat- oder Firmeninsolvenz besteht vor allem darin, dass die Gläubiger mit allen Mitteln versuchen, den Bankrott zu verhindern.
Frankfurt a.M. (dapd/red) - Zwar gibt es weder eine Insolvenzordnung für Staaten noch eine Institution, die einen Staat offiziell für bankrott erklären könnte. Auch ist es nicht möglich, dass Gläubiger einen Insolvenzantrag für einen Staat stellen.
Dennoch sind Staatspleiten nicht ungewöhnlich: Staaten können sich selbst als zahlungsunfähig erklären, weil sie laufenden Ausgaben nicht mehr nachkommen können und auch keine neuen Kredite mehr erhalten - oder nur noch zu unannehmbar hohen Zinsen. In einem solchen Fall bedient der Staat einfach seine Anleihen nicht mehr, so geschehen 1998 mit Russland, 2002 mit Argentinien oder 2008 mit Island.
Staat wird in erster Linie funktionsunfähig
Die häufigsten Ursachen für Staatspleiten in der Geschichte waren Kriege und jahrelange Misswirtschaft. Doch wenn der Staat zahlungsunfähig ist, erhalten die Bediensteten im öffentlichen Dienst kein Geld mehr, die Menschen plündern ihre Konten, es kommt zu Hamsterkäufen. Letztlich wird der Staat weitgehend funktionsunfähig. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung führt in der Regel zu Protesten, sogar innere Unruhen sind möglich.
Gläubiger versuchen Staatsbankrott auf alle Fälle zu verhindern
Weil die Pleite eines Staates wegen der vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen ein verheerendes Signal mit Folgen für viele andere Länder wäre, setzen die Gläubiger in der Regel alles daran, einen Staat vor der Pleite zu retten. Die Partner in der Eurozone versuchen das mit Rettungspaketen, dem Euro-Rettungsschirm und Verhandlungen mit den Gläubigerbanken.
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