Finanzen-News 14.02.2011
Gerüchte
Steinbrück als neuer EZB-Chef im Gespräch
Die SPD bringt ihren früheren Finanzminister Peer Steinbrück für den Chefposten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Spiel. Diesen überraschenden Vorschlag machte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Tag nach der Ankündigung von Axel Weber, sich von der Bundesbank-Spitze und aus dem EZB-Rat zurückzuziehen.
Hamburg/Berlin (dapd/red) - Weber galt bisher als Kandidat der Bundesregierung im Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Als Grund für seinen Verzicht auf den Chefposten im Frankfurter Eurotower nannte Weber Sorge um seine Glaubwürdigkeit. Er fühlte sich im EZB-Rat isoliert, weil er sich öffentlich gegen den Aufkauf von Staatsanleihen gestellt hatte.
Steinmeier sagte am Samstag "Spiegel Online": "Wer ernsthaft an einer deutschen Kandidatur für den EZB-Präsidenten festhalten will, wird an einer international so ausgewiesenen Figur der Finanzpolitik wie Steinbrück kaum vorbeikommen." Er erwarte, dass die Regierung bei der Suche nach einem Trichet-Nachfolger den Kontakt zur Opposition suche. "Aber ich befürchte, lieber gibt die Bundesregierung die Kandidatur auf, als auf uns zuzukommen", sagte Steinmeier.
Steinbrück genießt hohes Ansehen in Finanzwelt
Steinbrück steht in der Finanzwelt hoch im Kurs, weil er Deutschland - in der großen Koalition zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) - unter anderem mit mehreren Konjunkturpaketen erfolgreich durch die Wirtschaftskrise gebracht hat.
Weber erläuterte im "Spiegel" die Hintergründe für seinen Rückzug von der Bundesbank-Spitze zum 30. April, ein Jahr vor dem Ende seiner achtjährigen Amtszeit. Wenn der EZB-Präsident "zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts".
Er erinnerte daran, bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten klare Positionen bezogen zu haben. "Die Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein." Seither sei seine Überzeugung gereift, dass er die Trichet-Nachfolge nicht anstrebe.
Weber war mit seiner öffentlichen Kritik am Beschluss des EZB-Rats angeeckt, Staatsanleihen zu kaufen. Der 53-Jährige war Volkswirtschaftsprofessor in Köln und einer der fünf Wirtschaftsweisen. Nach Informationen des "Tagesspiegel" will Weber zum Wintersemester an die Universität Köln zurückkehren.
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