Finanzen-News 17.06.2011
Ratenkredit
Schuldengefahr durch neue Kreditkarten-Funktion
Mit der Kreditkarte ist es seit einiger Zeit möglich, Ratenkredite aufzunehmen. Mit der Ratenkreditfunktion müssen Einkäufe nicht zwingend gleich bezahlt werden, sondern können in Raten abgestottert werden. Die ING-DiBa stellt dieses Verfahren vor und warnt vor unkontrollierbaren Schulden.
Frankfurt (red) - Kreditkarten sind ein beliebtes und bequemes Zahlungsmittel. Weltweit werden sie von zig Millionen Händlern und Dienstleistern akzeptiert. Während die Zahlung meist gleich abläuft, gibt es Unterschiede bei der Abrechnung: Je nach Ausgestaltung der Karte werden die Zahlbeträge bei den meisten Karten entweder sofort oder als Sammelabrechnung am Monatsende vom Girokonto abgebucht.
Ratenkreditfunktion noch nicht lange auf dem Markt
Immer häufiger wird Verbrauchern in Deutschland jetzt auch eine Kartenvariante mit eingebauter Ratenkreditfunktion angeboten. Die Kombination aus Kreditkarte und Ratenkredit – im Fachjargon auch als "Revolving Credit Card" bezeichnet – wandelt den am Monatsende fälligen Abrechnungsbetrag automatisch in einen Kredit um. Den kann der Kunde dann entweder auf einen Schlag zurückzahlen oder über Monate oder gar Jahre hinweg in Raten abstottern.
Vorteile werden suggeriert
Die Anbieter werben damit, so die ING-DiBa, dass mithilfe dieses Kartenkredites auch Spontankäufe in einem größeren finanziellen Rahmen möglich sind und der Kunde dabei als Sofort-Zahler auftreten kann. Beispiel: Wer beim Möbelhändler das lang ersehnte Designer-Sofa sieht und nicht genügend Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto hat, muss vor dem Erwerb nicht noch einen Ratenkredit abschließen, sondern kann gleich die Karte zücken und den Kredit automatisch aktivieren.
Kritik an zu hohen Zinsen
Allerdings hat die Bequemlichkeit einen hohen Preis. Weit mehr als zehn Prozent Zinsen verlangen die Anbieter oft für das geborgte Geld. Dabei kann der tatsächlich zu zahlende Zins selbst bei ein und demselben Kartenherausgeber weit auseinanderliegen – je nach Bonität des Kunden. Dazu kommt: Je länger der Kunde den Kaufpreis abstottert, umso mehr verteuern Zins und Zinseszins die Anschaffung. Wer beispielsweise einen Spontankauf über 5000 Euro über 60 gleich hohe Monatsraten mit einer Karte zu einem Sollzins von 10,5 Prozent Zins finanziert, zahlt insgesamt 1.448 Euro Zinsen. Damit verteuert sich das vermeintliche Schnäppchen um stolze 29 Prozent.
Negative Auswirkungen auf Altersvorsorge
Dass der Konsum auf Pump im Lauf der Zeit wichtige finanzielle Bereiche wie die Altersvorsorge oder den Erwerb von Wohneigentum negativ beeinträchtigt, zeigt eine Studie des Marktforschungsunternehmens Demos. Untersucht wurde die Entwicklung von vergleichbaren Mittelstands-Haushalten mit und ohne Kreditkartenschulden in den USA, wo Karten mit Kreditfunktion schon seit Längerem im Umlauf sind. Dabei verbuchten Haushalte mit Schulden auf dem Kreditkartenkonto einen weitaus geringeren Anteil an Wohneigentum und erzielten zudem deutlich niedrigere Guthaben in der privaten Altersvorsorge.
Fazit: Klassischen Kredit der Ratenkreditfunktion vorziehen
Der Finanzdienstleister rät daher, dass Verbraucher die Revolving-Kreditkarten mit Vorsicht genießen sollten. Denn der schnelle und unkomplizierte Zugriff auf Kredite für den Konsum ist nicht selten der Einstieg in eine langfristige Verschuldung. Zudem ist der Kartenkredit oft besonders teuer. Wer seine Finanzen im Griff behalten will, sollte seinen gelegentlichen Kreditbedarf deshalb lieber mit einem deutlich preiswerteren Rahmenkredit oder Anschaffungen per günstigem Ratenkredit finanzieren.
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