Teuerung

Privatbanken erhöhen Preise für Fremdabhebungen

Nach fünf Jahren haben die Privatbanken die Gebühren am Geldautomaten erhöht. Wer kein Kunde bei der Deutschen Bank ist, zahlt jetzt statt 1,95 Euro ganze 3,95 Euro für den Vorgang. Die Commerzbank will die Preise im Oktober anheben.

Geldautomat© Imaginis / Fotolia.com

Frankfurt/Main- Böse Überraschung am Geldautomaten: Geldabheben an einem fremden Terminal wird teilweise deutlich teurer. Privatbanken wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank drehen an der Gebührenschraube. Jahrelang verlangten sie 1,95 Euro, nun müssen Verbraucher mehr zahlen, die ein Konto zum Beispiel bei einer Sparkasse oder Volksbank haben. Die Deutsche Bank und ihre Tochter Postbank kassieren seit 1. September 3,95 Euro. Die Commerzbank will ab Oktober 3,90 verlangen. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist es teilweise noch teurer.

Verbraucherschützer kritisieren die Entgelte generell als zu hoch. "Der Vorgang selbst kostet nicht mal einen Euro", argumentiert Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Höhere Kosten und mehr Aufwand für den Betrieb

Die Privatbanken begründen den Schritt mit höheren Kosten und dem Aufwand für den Betrieb der Automaten. "Die Kosten sind gestiegen und wir können nicht unter dem Marktpreis anbieten", sagt eine Commerzbank-Sprecherin. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur liegt die Preisspanne für Fremdabhebungen bei den Sparkassen, die den größten Marktanteil in Deutschland haben, im Schnitt bei etwa 4 bis 4,50 Euro.

Auch Sparkassen könnten mehr Geld verlangen

Die Spannbreite ist dabei groß. So lag das Entgelt von 80 Sparkassen, die die FMH Finanzberatung jüngst untersuchte, zwischen 2,95 und 5 Euro. "Die Frage ist, ob Sparkassen, die bisher wenig verlangen, jetzt auch an der Gebührenschraube drehen", sagt Sigrid Herbst von der Finanzberatung. Insgesamt nahm FMH 250 Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken unter die Lupe. Das Ergebnis: Sie verlangen im Schnitt 3,93 Euro fürs Abheben an fremden Geldautomaten.

Keinen gemeinsamen Kompromiss erreicht

Verbraucherschützer haben zwar Verständnis, dass die privaten Banken von der freiwilligen Begrenzung des Entgeltes abrücken. Sie hatten etwa fünf Jahre lang die Gebühren bei maximal 1,95 Euro gehalten. Eine gemeinsame Vereinbarung mit den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken scheiterte. Sie wollten keine Höchstgebühr festlegen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken argumentieren mit hohen Kosten für ihr engmaschiges Automatennetz.

"Es wäre im Interesse aller Kunden, wenn die deutschen Institute ihren alten Streit beilegen und einen angemessene Kostenausgleich untereinander finden würden", fordert Pauli. Oft würden Verbraucher nur kleine Beträge an fremden Geldautomaten abheben "und für die sind vier bis fünf Euro Extrakosten einfach unangemessen hoch".

So viele Geldautomaten unterhalten Banken und Sparkassen

Das dichteste Netz an Automaten und Filialen haben Sparkassen und Volksbanken- und Raiffeisenbanken. Allein die Sparkassen verfügen über 25.000 Geldautomaten. Die genossenschaftlichen Institute kommen auf 19.600 Geräte.

Zum Vergleich: Die Cash Group - Commerzbank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Postbank sowie deren Töchter - haben etwa 9.000 Geldautomaten im Inland. Kunden der Cash-Group-Banken bekommen auch weiterhin kostenlos Geld an den Automaten der Mitglieder.

Wie viele Kunden die Erhöhung trifft, ist schwer abzuschätzen. So gehen beispielsweise bei der Commerzbank etwa 98 Prozent der Abhebungen auf Cash-Group-Kunden zurück.

ING Diba erhöht vorerst nicht

Die ING Diba als größte deutsche Direktbank hatte bereits angekündigt, an ihren eigenen rund 1.300 Automaten bei der bisherigen Fremdabhebegebühr von 1,95 Euro zu bleiben. Andere Banken haben noch nicht entschieden. So hat die HypoVereinsbank derzeit keine Pläne, das Entgelt zu ändern. "Aber wir beobachten den Markt sehr genau", sagt eine Sprecherin. "Wir rechnen damit, dass weitere Privatinstitute nachziehen", sagt Marktbeobachterin Herbst.

Quelle: DPA

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