Finanzen-News 10.06.2011

Private Haushalte

Postbank sieht keine Beeinträchtigung durch Leitzinserhöhung

Laut Experten der Postbank steigt das Einkommen der privaten Haushalte durch Zinserhöhungen voraussichtlich um 6,5 Milliarden Euro. Die Erhöhung der Leitzinsen hat unterm Strich eine positive Auswirkung, da Sparer mehr profitieren als Kreditnehmer zusätzlich zahlen.

Bonn (red) - Die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) werden nach Ansicht der Postbank den Privaten Verbrauch in Deutschland nicht belasten. Dafür ist die Kreditfinanzierung des Konsums zu gering und die Einkommenseffekte höherer Zinsen sind sogar positiv.

Leitzinserhöhungen von etwa zwei Prozent erwartet

Die Volkswirte der Postbank gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins von derzeit 1,25 Prozent bis ins erste Quartal 2012 auf zwei Prozent anheben wird. Leitzinserhöhungen dämpfen grundsätzlich das Wirtschaftswachstum, weil in der Tendenz die Spielräume der Unternehmen bei der Finanzierung eingeengt werden. Die Auswirkungen auf die privaten Haushalte sind hier nach einer Analyse von Postbank Research unter dem Strich positiv. Denn die Sparer profitieren von den höheren Zinszahlungen mehr, als die Kreditnehmer zur Kasse gebeten werden.

Etwa 1,4 Milliarden private Kreditnehmer im ersten Quartal

Knapp 1400 Milliarden Euro hatten Ende März Privatpersonen an Krediten bei Banken aufgenommen. Davon waren gerade einmal 5 Prozent kurzfristiger Natur mit einer Zinsbindung von maximal einem Jahr. Der Löwenanteil der privaten Kredite entfällt mit 88 Prozent auf Laufzeiten von mehr als 5 Jahren. Bei 95 Prozent aller Kredite an Privatpersonen erfolgt keine kurzfristige Anpassung an veränderte Marktkonditionen. Diese wirken sich erst bei einer Verlängerung der Laufzeit und natürlich bei Neuabschlüssen aus. Die Zinsausgaben der privaten Haushalte steigen somit durch die veränderte Geldpolitik der EZB vorläufig nur geringfügig an. Der Aufwand für Sollzinsen erhöht sich dadurch nach einer Schätzung der Postbank gerade einmal um ein Prozent.

Einkommen steigen durch Zinsanhebungen

Die Sparer gehören hingegen zu den Gewinnern steigender Zinsen, da sie über sehr hohe Guthabenbestände verfügen, deren Verzinsung an die Entwicklung der Geldmarktsätze und damit letztlich des Leitzinses gekoppelt ist. Im März dieses Jahres hielten die privaten Haushalte 1.613 Milliarden Euro in Form von Einlagen bei den inländischen Banken. Hiervon entfielen 43 Prozent auf täglich fällige Einlagen und 37 Prozent auf Spareinlagen. Sparbriefe und Termineinlagen kamen zusammen auf 20 Prozent.

Sparkonten profitieren wenig von kurzfristigen Zinserhöhungen

Die Verzinsung kurzfristiger Termineinlagen reagiert regelmäßig sofort auf veränderte Marktbedingungen, wobei Leitzinsänderungen nahezu eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden. Allerdings ist nur ein Teil der Termineinlagen kurzfristig mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr angelegt. Die auf diese Einlagen entfallenden Zinsen dürften zunehmen. Spareinlagen reagieren dagegen wesentlich schwächer auf Änderungen der kurzfristigen Zinsen. Unter der Annahme, dass der Durchschnittszinssatz für Spareinlagen im Zuge der erwarteten EZB-Zinserhöhungen von 1,4 auf zwei Prozent zulegt, würde hieraus ein Mehrertrag für die privaten Haushalte in Höhe von 3,6 Milliarden Euro resultieren.

Insgesamt hohe Zinseinkünfte erwartet

Bei den Sichteinlagen profitiert insbesondere, wer ein Tagesgeldkonto hat. Die Volkswirte der Postbank erwarten, dass die Verzinsung der gesamten Sichteinlagen bei einer Anhebung des EZB-Refisatzes um einen Prozentpunkt um 0,4 Prozentpunkte steigt. Die Zinszahlungen auf Sichteinlagen dürften sich damit um 2,8 Milliarden Euro erhöhen. Insgesamt dürften die Zinseinkünfte der Bundesbürger aus Bankeinlagen damit um über 6,5 Milliarden Euro netto jährlich steigen.

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