Finanzen-News 13.05.2011

Studie

Postbank: Bei jeder sechsten Erbschaft gibt es Streit

Die Postbank hat in Zusammenarbeit mit dem Allensbacher Institut eine Studie zum Thema Erbschaft herausgebracht. Einig sind sich die meisten Bürger darin, dass erhobene Steuern auf Erbschaften "grundsätzlich nicht richtig" seien.

Berlin/Bonn (red) - Mit 32 Prozent gibt fast genau ein Drittel aller Bundesbürger an, schon mindestens einmal geerbt zu haben. Weitere 23 Prozent gehen zudem von einer künftigen Erbschaft aus, die größtenteils schon in den kommenden zehn bis 20 Jahren erwartet wird. Frauen erben öfter als Männer. Und eine Mehrheit der Deutschen lehnt die Erhebung von Erbschaftsteuern grundsätzlich ab. Dies sind Kernergebnisse einer ersten bundesweit repräsentativen Studie der Postbank zum Thema Erbschaften in Deutschland. Das Allensbacher Institut befragte dazu 1811 Bundesbürger ab 16 Jahren.

Im Westen wird mehr vererbt

Aus den Daten der Postbank Studie ergibt sich, dass in Ost- und Westdeutschland bislang zwar annähernd gleich häufig geerbt wird. Jedoch ist der Umfang der einzelnen Erbschaften in Westdeutschland deutlich größer. So beträgt im Osten zu 61 Prozent der Wert eines Erbes weniger als 25.000 Euro. Im Westen sind es 45 Prozent aller Fälle. Unterschiede ergeben sich auch zwischen Männern und Frauen. So erben Frauen mit einem Anteil von 35 Prozent häufiger als Männer, wo der Wert bei 29 Prozent liegt. Zudem sind Frauen auch öfter Alleinerben als Männer, was mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammenhängt. Mehrheitlich einig sind sich die Deutschen in einem Punkt: 55 Prozent finden Steuern auf Erbschaften "grundsätzlich nicht richtig".

Bei jeder sechsten Erbschaft gibt es Streit

Drei Viertel aller heutigen Erben in Deutschland haben von ihren Eltern geerbt, von Groß- oder Ur-Großeltern knapp ein Viertel. Zumeist handelt es sich dabei um Geld (75 Prozent), Immobilien (38 Prozent) oder Möbel (34 Prozent). Alleinerben sind nur bei jeder fünften Erbschaft festzustellen. "Je höher der Wert einer Erbschaft, desto stärker nimmt aber der Anteil von Alleinerben laut unserer Studie zu", erklärt Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. Bei jeder sechsten Erbschaft in Deutschland kommt es bislang zum Streit. Häufigste Ursache ist, dass "einige Hinterbliebene sich benachteiligt fühlen" (73 Prozent). Ein gültiges Testament liegt übrigens laut Studie in 53 Prozent der Fälle vor.

Viele Bürger wissen zu wenig Bescheid

Ausführlich befragt wurden in der Postbank Erbschaftsstudie auch Personen, die angaben, ein Erbe zu erwarten. Wesentliche Unterschiede gegenüber den bisherigen faktischen Erben in Deutschland ergeben sich dabei in zwei Bereichen: Erstens rechnen die künftigen Erben signifikant häufiger mit Streit beim Erhalt einer Erbschaft (26 Prozent gegenüber heutigen Erben mit 17 Prozent). Zweitens glauben künftige Erben doppelt so oft, auf ihr Erbe Erbschaftsteuer zahlen zu müssen, als dies die heutigen tatsächlichen Erben mit 16 Prozent bislang tun müssen.

In offenkundigem Missverhältnis zur zunehmenden Bedeutung von Erbschaften in Deutschland steht das Wissen der Bevölkerung hierzu. Ein Drittel der Deutschen kennt sich mit keinem solcher Begriffe wie "gesetzliche Erbfolge", "Testament" oder "Pflichteil" aus. Nicht einmal jeder dritte dieser künftigen Erben plant überdies eine Beratung außerhalb des eigenen Familien- oder Freundeskreises aufzusuchen, wenn es ums Erbe geht, etwa bei einer Bank oder Versicherung.

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