Finanzen-News 06.05.2011

Prozess

Klage zeigt Nähe der Deutschen Bank zu dubioser Kreditvergabepraxis

Eine Milliarde Dollar oder mehr könnte die Deutsche Bank der Prozess kosten, den die Vereinigten Staaten von Amerika gegen das deutsche Geldhaus Nummer eins und dessen US-Immobilientochter MortgageIT anstrengen. Für den Ruf des häufig kritisch gesehenen Instituts ist das nicht unbedingt zuträglich.

Frankfurt/Main (dapd/red) - Finanziell wird es nach Einschätzung von Experten zu überstehen sein. Unklar ist, ob die Affäre im lukrativen Investmentbanking die Chancen von Spartenchef Anshu Jain mindert, Nachfolger von Bankchef Josef Ackermann zu werden.

Das Verfahren zeigt eine unmittelbare Nähe der Deutschen Bank zu jenen Praktiken, die ab Mitte 2007 zuerst zum Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA und danach zur größten globalen Rezession seit den 1930er Jahre führten: Vermittler wie MortgageIT gaben nahezu jedem einen Hypothekenkredit für das eigene Haus, ob er sich das tatsächlich leisten konnte oder nicht.

Geplatzte Kredite lösten globale Finanzkrise aus

Als diese sogenannten Subprime Kredite dann reihenweise platzten, löste das ein globales Finanzmarktbeben aus. Denn Geldhäuser wie die Deutsche Bank hatten das Risiko aus den Krediten längst auf andere verlagert. Sie waren zu Wertpapieren gebündelt und verbrieft worden, sogenannten Asset Backed Securities (ABS) - und deren Wert ging nun schlagartig gegen null. In der Folge brach die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammen. Zahlreiche Banken und Versicherungen in den USA und in Europa kamen durch massive Wertberichtigungen ins Schleudern und mussten zur Rettung ganz oder teilweise verstaatlicht werden.

Bei der Aufarbeitung dieser Vorgänge ist die US-Justiz nun also bei der Deutschen Bank angelangt. Sie wirft dem Geldinstitut beziehungsweise der Tochter MortgageIT vor allem auch vor, unzulässigerweise staatliche Kreditgarantien zur Absicherung von Ramschkrediten in Anspruch genommen zu haben. Sie hätten dabei die Kreditwürdigkeit der Schuldner nicht einmal annähernd geprüft.

Zusammenbruch nur Monate nach dem Kauf

Die Staatsanwaltschaft erhob vor dem Distriktgericht in Manhattan Zivilklage und verlangt, die Bank zu Schadenersatz und einer Geldstrafe zu verurteilen. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe als grundlos zurück. Ein Sprecher betonte am Mittwoch in Frankfurt am Main, fast 90 Prozent der von der US-Justiz beanstandeten Vorgänge stammten aus der Zeit vor der Übernahme von MortgageIT. Die Deutschbanker hatte das US-Institut Anfang 2007 übernommen, in der Hoffnung auf blendende Geschäfte im US-Immobilienrausch. Der Zusammenbruch zeichnete sich nur Monate später ab.

Was die Klage letztlich an Folgen hat, ist nach Ansicht von Experten noch schwer abzuschätzen. Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck in München wies darauf hin, dass derartige Verfahren in den USA häufig mit einem Vergleich endeten. Die in einem solchen Fall fällige Summe dürfte deutlich unter den 1,1 Milliarden Dollar liegen, von denen derzeit die Rede sei.

Auswirkung auf Ackermann-Nachfolge fraglich

Equinet-Analyst Philipp Häßler sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, finanziell sollte die Angelegenheit für die Deutsche Bank beherrschbar sein. «Eine Milliarde Dollar sind nach Steuern 500 Millionen Euro», sagte er. Bankchef Ackermann hat für das laufende Jahr einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro als Ziel genannt. Auch der Schaden für den Ruf der Deutschen Bank wegen der Geschäfte mit den Subprime-Papieren sei wohl nicht allzu groß, sagte Häßler.

Auswirkungen auf die Entscheidung über die Nachfolge von Ackermann verneinten beide Analysten. Zwar lägen die Vorgänge im Verantwortungsbereich von Investmentbanking-Chef Jain, der als Favorit gehandelt wird. Er glaube aber, dass bei der Nachfolge Ackermanns «andere Kriterien herangezogen werden als die unterstellte Verwicklung einer Tochter in den USA», sagte Becker.

Außerdem: Die Nachfolge Ackermanns wird erst 2013 akut. Bis dahin kann noch viel geschehen. Auch der jüngst ausgeschiedene Bundesbankpräsident Axel Weber war schon einmal für den Posten an der Spitze der größten deutschen Privatbank genannt worden.

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