Balanceakt

IFW befürchtet neue Wirtschaftskrise

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor der Gefahr einer neuen globalen Wirtschaftskrise. Insgesamt mache die globale Konjunktur zwar noch einen kräftigen Eindruck. Aber an ganz vielen Ecken lauere das Risiko.

Europäische Währung© arahan / Fotolia.com

Washington (dpa/red) - Die Risiken für eine globale Wirtschaftskrise seien in den vergangenen Monaten größer geworden, erklärte der IWF am Dienstag in Washington. "Die Weltwirtschaft ist mitten in einem Balanceakt", sagte der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard am Dienstag. Seine Wachstumsprognose für dieses Jahr korrigierte der IWF erneut deutlich nach unten.

Geopolitische Krisen könnten Schäden anrichten

Eine große Sorge sei, dass die Erholung in der Eurozone stagniere. Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine oder in Nahost könnten weit über die betroffenen Gebiete hinaus ökonomischen Schaden anrichten, etwa durch steigende Energiepreise. Riskant sei zudem eine mögliche Überhitzung der Finanzmärkte. Die hohen Börsenkurse würden nicht die Zerbrechlichkeit der wirtschaftlichen Erholung widerspiegeln.

In dem am Dienstag vorgelegten Weltwirtschaftsausblick senkte der IWF seine Prognose des globalen Wachstums für dieses Jahr auf 3,3 Prozent. Im April war der Wert noch 0,4 Prozentpunkte höher. Auch für 2015 korrigierte der Krisenhelfer seine Aussichten nach unten und rechnet nun mit 3,8 Prozent Wachstum. Damit musste der Fonds zum wiederholten Male in Folge seine Erwartungen reduzieren.

Zu wenig Investitionen

"Das Tempo des Wachstums hat in den letzten Jahren enttäuscht", erklären die IWF-Experten. Vor allem in großen Volkswirtschaften werde trotz niedriger Zinsen zu wenig investiert und zu wenig für die Nachfrage getan. Zudem gebe es in zahlreichen Nationen den dringenden Bedarf an Strukturreformen. Die Spätfolgen der letzten großen Finanzkrise seien in einigen Ländern hartnäckiger als bislang gedacht.

Wachstum in Deutschland schwächt sich ab

Auch für Deutschland sieht der IWF nun eine schlechtere Entwicklung als bisher angenommen. So dürfte das Wachstum dieses Jahr lediglich 1,4 Prozent betragen. Das ist eine Absenkung von 0,5 Prozentpunkten seit dem letzten Zwischenbericht der Einrichtung im Juli. 2015 soll die Konjunktur in Deutschland um 1,5 Prozent wachsen, statt wie bisher vom Währungsfonds vorausgesagt um 1,7 Prozent.

Die IWF-Volkswirte empfehlen der Bundesrepublik öffentliche Investitionen in Infrastruktur, vor allem für die Instandhaltung und Modernisierung. Deutschland habe seinen Staatshaushalt saniert und könne sich solche Ausgaben leisten, ohne Defizitvorschriften des Stabilitätspakts zu verletzen. Die jüngsten schlechten Daten zur Industrieproduktion wollte der IWF noch nicht bewerten. Es müsse auf weitere Erhebungen gewartet werden.

Abstriche bei Italien und Frankreich

Für die Eurozone erwartet die Organisation 0,8 Prozent Wachstum in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Beide Werte wurden deutlich gesenkt. Große Abstriche machte der IWF bei Italien, das dieses Jahr demnach sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung hinnehmen muss, und Frankreich. Die spanische Wirtschaft sieht er dagegen auf einem stabilen Weg.

"Es besteht das Risiko, dass die Erholung in der Eurozone stagniert", sagte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Man gehe zwar derzeit nicht konkret davon aus und erwarte weiterhin eine langsame Verbesserung der Lage. Die Wahrscheinlichkeit einer neuen Rezession in der Eurozone im kommenden Jahr liegt nach einer IWF-Analyse bei 40 Prozent. "Aber sollte dieses Szenario wahr werden, würde es ein großes Problem werden."

China und Indien im Aufwind

Immense Schwierigkeiten sieht der internationale Kreditgeber auch wegen der Sanktionen in der Ukraine-Krise weiterhin für die russische Wirtschaft. Auch für die Ukraine selbst verdüstere sich der Ausblick weiter. Man hoffe auf ein schnelle Beilegung der Krise. Auch der einstige Wachstumsmotor Brasilien kämpfe mit einer noch schwächeren Konjunktur als zuletzt erwartet. Abstriche gab es auch für Japan.

Weniger Probleme sieht der IWF für China, dessen Wachstum in den kommenden beiden Jahren über sieben Prozent bleiben soll. Auch Indien habe sich nach einer Schwächephase wieder gefangen. Die Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft USA wurde für dieses Jahr angehoben, für kommendes Jahr aber unverändert belassen.

Quelle: DPA

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