Finanzen-News 08.04.2011

Tipp

Geldanlage-Strategie bei steigenden Zinsen

Vor kurzem hat die europäische Zentralbank (EZB) angedeutet, dass sie die Leitzinsen noch im April erhöhen könnte. Vor diesem Hintergrund stellen sich viele Anleger die Frage, welche Strategie sich wohl anbietet, wenn die Zinsen dauerhaft ansteigen sollten. Die ING-DiBa gibt Tipps.

Frankfurt (red) - Die Antwort darauf hängt entscheidend davon ab, wie stark die Anhebung der kurzfristigen EZB-Leitzinsen auch die Marktzinsen für langfristige Geldanlagen beeinflussen wird. Sollten die Renditen über das gesamte Laufzeitspektrum nachhaltig nach oben tendieren, tun Anleger gut daran, ihre Strategie darauf abzustimmen, rät die ING DiBa.

Kursrückgängen bei festverzinsliche Wertpapieren

Besonders anfällig sind in solchen Phasen festverzinsliche Wertpapiere mit einer mehrjährigen Restlaufzeit. Sie reagieren auf einen Zinsanstieg in aller Regel mit größeren Kursrückgängen. Grund dafür ist, dass die potenziellen Käufer solcher Papiere einen Ausgleich für die Differenz zwischen der gestiegenen Marktrendite und dem niedrigeren Festzins der Anleihe verlangen. Deshalb sind sie an den alten Papieren nur dann interessiert, wenn es beim Kauf einen Kursabschlag gibt, der die Rendite auf Marktniveau hebt.

Für Anleger bedeutet dies: Wer in Zeiten niedriger Zinsen festverzinsliche Wertpapiere mit längerer Restlaufzeit kauft, muss beim Zinsanstieg mit Kursverlusten rechnen. Diese Verluste treten freilich nur dann ein, wenn der Anleger das Papier vorzeitig veräußert.

Bei Festgeld lohnt möglicherweise vorzeitiger Ausstieg

Keine Kurse und somit auch keine Verluste gibt es dagegen bei Sparbriefen und lang laufenden Festgeld, weil diese Produkte nicht an der Börse gehandelt werden. Allerdings besteht hier auch keine Möglichkeit, vorzeitig auszusteigen, um in besser verzinste Anlagen zu wechseln. Mehr Flexibilität und Marktnähe bieten in Zeiten steigender Zinsen Tagesgeld und kurzfristige Festgelder. Sie profitieren am schnellsten von verbesserten Marktkonditionen. Der Nachteil: Für kurzfristige Anlagen gibt es in der Regel auch nur vergleichsweise niedrige Zinsen.

Ob es sich lohnt, bei einer längerfristig geplanten Anlage zunächst auf kurzfristige Tages- oder Festgelder zu setzen und darauf zu spekulieren, die Mittel anschließend zu einem höheren Zinssatz längerfristig anlegen zu können, hängt allein von der weiteren Zinsentwicklung ab. Zumindest können Anleger aber im Voraus berechnen, was die Folgeanlage bringen muss, damit sich die Zwei-Schritt-Strategie lohnt.

Dazu ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Ein Anleger will sein Geld über fünf Jahre fest binden. Für einen entsprechenden Sparbrief erhält er derzeit 3,0 Prozent im Jahr. Alternativ könnte er das Geld für 1,5 Prozent in einen Sparbrief mit einer Laufzeit von einem Jahr investieren. Der Zinsnachteil im ersten Jahr beträgt also 1,5 Prozentpunkte. Damit er bei der Wiederanlage nach einem Jahr zumindest genauso dasteht wie beim fünfjährigen Sparbrief, muss die Anschlussanlage über vier Jahre mindestens eine Verzinsung von 3,38 Prozent pro Jahr einbringen. Liegt der Zinsertrag höher, hat sich die gewählte Strategie gegenüber der Langfristanlage ausgezahlt.

Bei Geldanlage nicht nur Leitzinsen beobachten

Fazit: Anleger sollten nicht nur die Entwicklung der Leitzinsen, sondern vor allem auch die Bewegungen am Markt für langfristige Zinsanlagen aufmerksam beobachten. Wer derzeit vor einer längerfristigen Anlageentscheidung steht, sollte prüfen, wie hoch der konkrete Zinssatz in der Zukunft sein muss, damit sich das Zwischenparken im kurzfristigen Bereich lohnt. Wie die Entscheidung ausfällt, hängt dann von der persönlichen Zinserwartung ab.

© 2000-2012 Gelon.de

szmtag