Finanzen-News 03.06.2011

Verbraucherschutz

"Finanzmarktwächter" soll vor falschen Geldanlagen schützen

Was schon lange fällig ist, wollen nun Verbraucherschützer mit einer Kampagne angehen. Mehr Transparenz und korrekte Informationen sollen Verbraucher vor falschen oder riskanten Geldanlagen bewahren. Um dies umsetzen zu können, sollen mittels eines "Finanzmarktwächters" die Mängel aufgedeckt werden.

Berlin (dapd/red) - Die Verbraucherzentralen nehmen Abzocke und Intransparenz in der Finanzbranche ins Visier. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen, gab bekannt, dass mit der "Initiative Finanzmarktwächter" undurchsichtige Provisionen, ineffiziente Sparpläne, schlechte Beratung und überhöhte Dispozinsen aufgedeckt werden sollen. Die Experten wollen die Beschwerden von Bankkunden sammeln, um ein Bild vom Ausmaß der Probleme zu bekommen.

Initiative soll leisten, was Staat nicht schafft

"Der Staat ist weder willens noch in der Lage, das an Überwachung zu leisten, was er müsste", sagte Billen. Getragen wird die Initiative von der vzbv und den 16 Verbraucherzentralen in den Bundesländern. "Die Probleme im Finanzmarkt sind massiv. Wir wollen unsere Kräfte bündeln, um schlagkräftiger zu sein", sagte der oberste Verbraucherschützer. Als erstes nehmen die Finanzmarktwächter demnach zu hohe und undurchsichtige Provisionen ins Visier. Mit einem Musterbrief können Kunden von ihrer Bank verlangen, der gesetzlichen Pflicht zur Offenlegung nachzukommen.

"Finanzmarktwächter als Seismograph"

"Wir werden den Beweis antreten, dass es einen institutionalisierten Finanzmarktwächter braucht", sagte vzbv-Geschäftsführerin Irmgard Czarnecki. Die Interessen der Verbraucher sollten juristisch und politisch durchgesetzt werden. Im Lebensmittelmarkt gebe es strenge Vorschriften für die Qualität und Kennzeichnung von Produkten, in der Finanzbranche aber nicht. "Der Finanzmarktwächter ist der Seismograph, der meldet, was schief läuft", erläuterte sie. Als Beispiel für eine Fehlentwicklung nannte Czarnecki die Gebühren, die Banken verlangen, wenn ein Kunde mit seinem Konto ins Minus gerät: "Was fehlt, sind gesetzliche Regelungen, die die Höhe der Dispozinsen begrenzen."

Finanzkrise machte auf Probleme aufmerksam

In den vergangenen Jahren seien die Probleme in der Finanzbranche größer geworden, sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Die Finanzkrise hat dazu beigetragen, dass Probleme im Finanzmarkt an die Öffentlichkeit geraten sind", sagte er. "Ein seriöser Berater wird die Vorteile nennen, aber auch die Nachteile." Die Verbraucherschützer wollen demnach gegen alle Anbieter vorgehen, die "nicht mit lauteren Methoden zum Nutzen aller" arbeiten.

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