Finanzen-News 08.04.2011
Leitzins leicht erhöht
EZB erhöht Leitzins - Ökonomen begrüßen Zinswende
Die Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft bei deutschen Wirtschaftsexperten auf Zustimmung. Der Schritt sei ökonomisch überfällig und "für Banken und die Politik ein richtiges Signal", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag.
Berlin (dapd/red) - "Die EZB muss Glaubwürdigkeit beweisen", sagte der Stuttgarter Wirtschaftsprofessor Hans-Peter Burghof. Deshalb müsse sie die Stabilität der Preise sicherstellen. Die EZB spricht bis zwei Prozent Inflation von Preisstabilität. Im März lag dieser Wert aber bei 2,6 Prozent. Die Zentralbanker erhöhten den wichtigsten Leitzins, zu dem sich Banken Geld bei der EZB leihen können, deshalb um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Der Anstieg der Zinsen wirkt sich dämpfend auf die Inflation aus, kann aber auch das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen.
Thomas Köbel von der SEB-Bank wies deshalb auf die Risiken der Zinswende hin. "Ich gewichte die Abwärtsrisiken höher als die EZB", sagte der Ökonom. Der steigende Ölpreis könne der Wirtschaft noch deutlich zusetzen. Das Wachstum in der Eurozone sei im Schnitt immer noch moderat. Die Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte allein sei aber noch kein Problem.
Mayer: Deutschland könnte Leitzins von 3,0 Prozent verkraften
Mayer hingegen betonte die andere Facette der Zinsentscheidung: "Die EZB nimmt ihr Inflationsziel ernst." Die Senkung der Zinsen auf das Rekordtief von 1,0 Prozent sei 2009 enorm wichtig gewesen, um eine weltweite Depression im Stile der 30er-Jahre zu verhindern, sagte Mayer. Doch mit dem Anspringen der Konjunktur sei die Niedrigzinspolitik überholt. Deutschland allein könne einen Zins von 3,0 Prozent verkraften.
Schwieriger sei es für die hoch verschuldeten Euro-Länder wie Griechenland, Portugal oder Spanien, die ihre Wirtschaftskrisen besser mit niedrigen Zinsen bekämpfen könnten, sagte Mayer. Die EZB könne ihre Zinspolitik aber nicht einseitig auf die Problemländer zuschneiden, sondern müsse sich nach dem Durchschnitt richten. Den deutschen Sparern etwa komme eine Zinserhöhung entgegen.
Die Zinswende erhöht laut Mayer den Druck auf die ohnehin angeschlagenen Banken, für die es nun teurer werde, sich Geld von der EZB zu beschaffen. Die gesunden Banken nutzten diese Möglichkeit ohnehin kaum, weil sie sich Geld am Geldmarkt leihen könnten. Die Regierungen müssten nun handeln und unterfinanzierte Banken mit mehr Kapital ausstatten.
© 2000-2012 Gelon.de