Finanzen-News 19.02.2011
338 Milliarden Euro
Europäische Banken stehen bei Bundesbank in der Kreide
Die Europäische Zentralbank (EZB) und nationale Notenbanken im Euroraum stehen im Zuge der Schuldenkrise mit 338 Milliarden Euro bei der Bundesbank in der Kreide. Die Verbindlichkeiten haben damit einen Rekordstand erreicht, wie aus dem aktuellen Monatsbericht der Bundesbank hervorgeht.
Düsseldorf/Frankfurt (dapd/red) - Im Jahr 2004 hatte die deutschen Zentralbank der EZB und den Euro-Partnern unter dem Strich erst 21 Milliarden Euro geliehen. Darauf machte die Online-Ausgabe der "Wirtschaftswoche" am Freitag aufmerksam.
Die Finanzhilfen der Deutschen Bundesbank überträfen damit stillschweigend die bislang geleisteten Zahlungen aus dem Euro-Rettungsfonds bei weitem, berichtete das Magazin. Aus dem Rettungstopf gingen bisher nur 17,5 Milliarden Euro an Irland.
Kritik an hohen Schulden bei der Bundesbank
Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisierte die Schulden des Euroraums bei der Bundesbank. Der Anstieg "macht Fachleute fassungslos", sagte Sinn der "Wirtschaftswoche". "Wenn Länder, deren Banken die Kredite gegeben wurden, zahlungsunfähig werden, haftet Deutschland», sagte der Wirtschaftsexperte. Diese Haftung sei aber weder vom Bundestag demokratisch legitimiert noch von der Bundesregierung beschlossen.
Die Bundesbank erklärte, die stark gestiegenen Forderungen hätten mit dem Individualzahlungsverkehrssytem Target 2 zu tun. Im Rahmen grenzüberschreitender Transaktionen entstünden zwischen den beteiligten nationalen Zentralbanken Verrechnungssalden, die täglich an die EZB übertragen und dort saldiert würden.
Die Finanzkrise habe zu einer Verschiebung der Zahlungsströme geführt. Dadurch sei der Refinanzierungsbedarf deutscher Banken zurückgegangen, weil sie sich auch bei anderen Banken günstig Geld leihen könnten. "Da die Target-Forderungen gegenüber der EZB bestehen, stellen sie kein unmittelbares finanzielles Risiko für die Bundesbank dar", teilte das Institut weiter mit.
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