Finanzen-News 09.12.2011

Stärkung nötig

Banken haben eine Kapitallücke von 13,1 Milliarden

Deutschlands größte Geldhäuser haben der europäischen Bankenaufsicht EBA zufolge eine Kapitallücke in Höhe von 13,1 Milliarden Euro. Diese muss nach Angaben der Behörde bis Mitte kommenden Jahres geschlossen werden.

Frankfurt/Main (dapd/red) - Ihre Strategien dafür müssen die Institute bereits am 20. Januar auf den Tisch legen. Primus Deutsche Bank will schon bis Ende des Jahres die Zielmarke der EBA erreicht haben.

Die Kapitalstärkung ist für schlechte Zeiten gedacht und soll die Banken in Krisenzeiten zahlungsfähig erhalten sowie ihre Glaubwürdigkeit gegenüber Gläubigern stärken. Seit dem Bankrott der US-Investmentbanken Bear Stearns und Lehmann Brothers 2008 hatten die Finanzinstitute viel Vertrauen verloren und liehen sich auch gegenseitig nur noch Geld, wenn sie absolut sicher waren, es auch wiederzubekommen.

Die Deutsche Bank muss nun laut EBA insgesamt 3,2 Milliarden Euro auftreiben, um den Vorgaben zu genügen. In einer Stellungnahme beharrte Deutschlands größte Bank darauf, dass der EBA-Test nur die Situation bis zum Stichtag Ende September aufzeige. Die Deutsche Bank habe seitdem "deutliche Fortschritte gemacht". Deshalb gehe sie davon aus, sogar schon bis Ende des Jahres den Ansprüchen der EBA gerecht zu werden. Das kommende Jahr werde man für eine weitere Stärkung des Kapitalkissens nutzen können, hieß es.

Bankenverbände verärgert über EBA

Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank rauschten am Nachmittag an der Frankfurter Börse runter. Grund waren Meldungen über die Ergebnisse des Tests, die sich später in der tatsächlichen Veröffentlichung bestätigten. Deutschlands Bankenlobby zeigte sich verärgert über die Stresstests. Sie hätten mehr Unsicherheit als Gewissheit gebracht, erklärten der deutsche Bankenverband BdB und der Verband der öffentlichen Banken VÖB.

"Das von der EBA gewählte Verfahren für die Durchführung des Banken-Stresstests ist inkonsistent und insofern ärgerlich", sagte VÖB-Hauptgeschäftsführer Hans Reckers. "Der Stresstest hat damit sein vorrangiges Ziel, Vertrauen in den Märkten zu schaffen, nicht erfüllt." Der BdB nannte das EBA-Vorgehen "chaotisch".

Commerzbank braucht wegen Eurohypo 5,3 Milliarden Euro

Die Commerzbank steht ihrerseits vor der Aufgabe insgesamt 5,3 Milliarden Euro in den Kapitalstock einzubringen. Weil nicht das Kerngeschäft, sondern hauptsächlich die Eurohypo mit vielen Staatanleihen aus Schuldenländern betroffen ist, kommt auch ein Verkauf der Tochter infrage, wie die Nachrichtenagentur dapd berichtete. Das würde Beobachtern zufolge einen Großteil des Problems lösen. Als einzigen Interessenten sehen sie den Steuerzahler.

Finanzvorstand Eric Strutz überraschte nach der Veröffentlichung der Zahlen mit der Mitteilung, dass die Bank keine öffentlichen Gelder mehr in Anspruch nehmen wolle. "Wir bleiben bei unserem Vorhaben, keine zusätzlichen öffentlichen Gelder aufzunehmen", sagte Strutz. Der deutsche Staat hält bereits 25 Prozent und eine Aktie an der Commerzbank und hatte ihr Kreditlinien in Milliardenhöhe eingeräumt.

Zwei Landesbanken, die hessische Helaba und die Norddeutsche Landesbank, seien nur formal durch den Stresstest gerasselt, erklärte die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Beide hatten nach dem Stichtag Einigungen mit ihren Landesregierungen getroffen. Im Falle der Helaba handelte es sich um eine Kapitalumwandlung, die dazu führt, dass Hessen an Gewinnen, aber auch an Verlusten beteiligt wird.

Auch die Frankfurter DZ Bank, die als Finanzzentrale der Volks- und Raiffeisenbanken fungiert, benötigt neues Kapital. Die DZ Bank wolle ihren Bedarf von 353 Millionen Euro aus "eigener Kraft" stemmen, sagte ein Sprecher. Die WestLB steckt bereits in einer tiefen Restrukturierung.

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